Mit überwältigender Mehrheit ist Dr. Angelika Niebler am vergangenen Samstag auf der Landesversammlung der Frauen-Union Bayern als Vorsitzende wiedergewählt worden. Noch nie hat eine Landesvorsitzende 98,85 Prozent aller Stimmen auf sich vereinigt. Angelika Niebler bedankte sich für das entgegengebrachte Vertrauen und versprach: "Wir in der Frauen-Union werden weiter energiegeladen vorangehen!"
"Energiegeladen" lautete auch das Motto der zweitägigen Landesversammlung in Lindau am Bodensee. Politisch seien die Weichen gestellt, sagte Angelika Niebler. "Es ist jetzt an uns allen, die Energiewende zu gestalten." Es sei ein gesamtgesellschaftliches Thema, das alle Bürgerinnen und Bürger angehe. "Wie wirtschaften wir effizient, wie gelingt ein schnellerer Ausbau der erneuerbaren Energien, wie gehen wir mit unserer Umwelt um? All diesen Fragen stellen wir uns. Die FU ist Taktgeber."
Das demonstrierte die FU sogleich vor Ort: Hochkarätige Gäste aus Deutschland und den Nachbarregionen Österreich und der Schweiz waren zu einer Diskussion geladen. Hildegard Müller, Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft, postulierte: "Ausstieg heißt Einstieg! Einstieg in die Diskussion, Einstieg in die Forschung und Einstieg in konventionelle CO2-arme Kohlekraftwerke." Auf absehbare Zeit könnten erneuerbare Energien, die momentan bei 19 Prozent lägen, den Bedarf in Deutschland nicht decken. Und man müsse dafür Sorge tragen, dass die Schwankungen, die es bei den Erneuerbaren zwangsläufig gebe, ausgeglichen würden: "Von den 8760 Stunden im Jahr kann eine Photovoltaikanlage nur 800 Stunden Strom liefern."
Professor Wolfgang Heckl, Generaldirektor des Deutschen Museums in München, äußerte sich zuversichtlich, das die Forschung die Effizienzsteigerung bei Photovoltaik aber auch anderen Energieerzeugern vorantreiben werde und verwies humorvoll auf die Innovationskraft die schon immer in Bayern gesteckt habe: "Das weltweit erste Elektrowerk hat König Ludwig im Linderhof bauen lassen, damit seine Venusgrotte beleuchtet wird."
Ministerpräsident Horst Seehofer, der am zweiten Tag nach Lindau gekommen war, hob die wirtschaftliche Stärke Bayerns hervor: "Noch nie stand Bayern so gut da." In dieser Kraft, die aus der Wirtschaft aber vor allem der Bevölkerung selbst komme, läge die Chance für neue Innovationen und Fortschritt - die notwendigen Voraussetzungen für die Energiewende. Immer mehr Menschen wollten sich selbst einbringen. "Wir sind die Manager der Energiewende, aber wir entscheiden mit der Bevölkerung," sagte Seehofer.
Neben einem Leitantrag zur Energiewende, der unter anderem den Abbau von Hemmnissen bei der Genehmigung von Windanlagen und den Beginn von Energieeffizienzkampagnen vorsieht, brachte die FU Anträge aus verschiedenen Bereichen ein: So fordert die FU eine Prüfung der Besteuerung der Einkünfte von erwerbstätigen Frauen, die Absicherung der vertraulichen Geburt und ein Fortbestehen der Bezuschussung von Projekten, die eine Verbesserung der Chancengleichheit von Menschen ausländischer Herkunft zum Ziel haben.
Angelika Niebler betonte, dass Frauenpolitik bedeute, sich mit verschiedenen Politikfeldern zu beschäftigen. Die FU suche beständig den Dialog mit Frauen aus Politik, Kultur, Wissenschaft und Wirtschaft. "Wir werden in der Gesellschaft zunehmend als Fürsprecherin der Frauen wahrgenommen und wir werden weiter Wind machen."