Der jemenitische Kampf um Demokratie und Rechtsstaatlichkeit geht auch nach der Rücktrittserklärung von Präsident Saleh weiter. "Wir brauchen die Unterstützung der internationalen Gemeinschaft und insbesondere des Europäischen Parlaments", sagt die jemenitische Journalistin und Politikerin Tawakkol Karman, eine der diesjährigen Friedensnobelpreisträgerinnen, bei ihrem Besuch im Europäischen Parlament in Brüssel. "Wir danken dem Europäischen Parlament, da es die erste internationale Institution war, die uns öffentlich ihre Unterstützung signalisiert hat", diese Worte richtet die Preisträgerin an die CSU-Europaabgeordneten Angelika Niebler in ihrer Funktion als Vorsitzende der arabischen Delegation des Europäischen Parlaments. Sie erzählt weiter: "Ich erfuhr aus den Medien von der Nominierung. Das war eine unglaubliche Freude und ist eine große Chance für unser Land ganz neu wahrgenommen zu werden. Denn die Lage im Jemen bleibt weiter schwierig."
Tawakkol Karman, Tochter eines ehemaligen Ministers der Regierung von Präsident Saleh, der mittlerweile zum Regimekritiker geworden ist, wurde als "Mutter der Revolution" und "Eiserne Frau" im Kampf gegen die politische Herrschaft im Jemen bekannt. Sie ist die erste arabische Frau, die den Friedensnobelpreis gewinnt. Am Wochenende, wenn ihr der Preis in Oslo verliehen wird, sollen ihre Forderungen nach stärkerem politischen Druck aus dem Ausland für demokratische Neuwahlen in ihrem Land in die ganze Welt gehen. Im Gespräch mit der Preisträgerin bekräftigt Angelika Niebler ihr die Unterstützung seitens der europäischen Delegation: "Wir haben zutiefst das brutale Vorgehen der Regierung des Präsidenten Saleh verurteilt und appellieren an die arabischen GCC-Staaten wie Bahrain, Katar, Vereinigten Arabischen Emirate, Saudi Arabien, Oman und Kuwait weiterhin den Druck auf das Land aufrecht zu erhalten, damit das Land eine Chance auf Demokratisierung hat."
Die 32-jährige jemenitische Politikerin kämpft seit 2005 für Menschenrechte in ihrem Land. Seit neun Monaten protestiert sie mit ihrem Mann, einem Mathematiklehrer, im Zelt lebend auf dem "Platz des Wandels" in der jemenitischen Hauptstadt Sanaa und dies, obwohl Frauen sich in ihrem Land nach 19 Uhr nicht mehr draußen aufhalten sollen und sie drei gemeinsame Kinder haben, die derzeit von ihrer Familie versorgt werden. Sie führt einen Aufstand von überwiegend männlichen Demonstranten an und fordert: "Wir haben große Sorge, dass der Rücktritt von Saleh noch nicht das Ende seiner politischen Herrschaft ist. Daher fordern wir, dass seine Gelder im Ausland eingefroren werden." Sie weiß was auf dem Spiel steht, wenn sie solche Appelle ausspricht, denn schon zweimal wurde sie dieses Jahr verhaftet und unzählige Male bedroht. Aber sie will das Interesse der Öffentlichkeit an Ihrer Person nutzen, das durch die Nominierung entstanden ist. Tawakkol Karman bekräftigt: "Der Nobelpreis bestärkt mich, weiter für einen neuen Staat im Jemen zu kämpfen und im Protest nicht nachzulassen. Ich hoffe, dass der Westen nun die jemenitischen Aufständischen mit ihren Hoffnungen, einen anderen Staat zu planen, wirklich wahrnimmt." Auf ihrer Reise nach Oslo wird sie unermüdlich für Unterstützung werben.
"Die Friedensnobelpreisträgerin ist eine beeindruckende Frau. Jeder der sie trifft, ist von Ihrer Kraft und ihrem bedingungslosen Kampfgeist fasziniert. Wir müssen ihrem Land nun helfen, dass Demokratie und Menschenrechte im Jemen ein Grundrecht werden", so Angelika Niebler nach ihrem Treffen.