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Österreichs Verhandlungserfolg: Türkei-Beitritt nur bei ‚Aufnahmefähigkeit' der EU
Mut hat die österreichische
Regierung bewiesen und mit ihrer Haltung letztlich auch
einen Teilerfolg gezielt. Denn mit ihrem Beharren auf
einer Umformulierung des Verhandlungsauftrages mit der
Türkei ist es den Österreichern gelungen, den
Spielraum der EU bei den Beitrittsgesprächen zumindest
ein Stück weit zu vergrößern.
Im Besonderen ist anzuerkennen, dass die österreichische
Verhandlungsdelegation sich dem allgemeinen Druck entgegengestellt
hat und dabei auch die Rolle des Buhmanns in Kauf genommen
hat. Es gibt durchaus mehrere Stimmen, die Vorbehalte
gegen eine Vollmitgliedschaft der Türkei in der Europäischen
Union haben. Sie wagen jedoch nur, dies hinter verschlossenen
Türen zu artikulieren. Der Druck jedenfalls ist gewaltig.
Natürlich hatte auch Bundeskanzler Wolfgang Schüssel
darauf gesetzt, nach der Bundestagswahl in Deutschland
mit einer ins Amt gewählten deutschen Kanzlerin Merkel
eine wichtige Verbündete zu haben. Nachdem dieser
erhoffte Schulterschluss nicht vollzogen werden konnte,
mussten die Österreicher die Notbremse ziehen.
Zumindest konnten sie mit ihrem Veto eine Formulierungsänderung
des Verhandlungsauftrages erreichen. So heißt es
jetzt, dass auch die Aufnahmefähigkeit der EU ein
entscheidendes Kriterium für den Beitritt der Türkei
sein soll und im Falle eines Scheiterns auch alternative
Anbindungen der Türkei an die EU anzustreben seien.
Auch wenn die österreichische Delegation ihr eigentliches
Ziel - Ergebnisoffenheit der Verhandlungen mit der Türkei
- verfehlt hat, haben sie dennoch einen wichtigen Erfolg
für die Europäische Union erzielt, nachdem auch
im Europäischen Parlament zunehmend kritische Stimmen
in der Debatte um den EU-Beitritt der Türkei laut
geworden sind.
Ganz offenkundig hatten die türkischen Unterhändler
bei den jüngsten Runden doch überzogen und für
ihre Weigerung, in der Zypernfrage die notwendige Kompromissbereitschaft
zu zeigen, eine entsprechende Quittung erhalten. In einem
bislang so nicht gekannten Einvernehmen sprachen sich
bei der letzten Plenarsitzung im Europäischen Parlament
Abgeordnete der Grünen, der Liberalen und der Sozialisten
in einer gemeinsamen Resolution mit der EVP-ED-Fraktion
dafür aus, dass die Beitrittsverhandlungen als offener
Prozess verstanden werden müssten.
Zu Recht hat das Europäische Parlament zudem auch
die Abstimmung über das Protokoll zur Zollunion mit
der Türkei verschoben.
Insofern ist durch den Kraftakt der Österreicher
die Meßlatte der EU gegenüber der Türkei
wieder auf einen Stand gebracht worden, bei dem auch die
Interessen der EU stärker gewahrt werden. Das gilt
für die zwingend notwendige völkerrechtliche
Anerkennung Zyperns. Das muss aber auch für die Fragen
der Menschenrechte gelten. Es bleibt zu hoffen, dass die
nun beginnenden Verahndlungen mit der entsprechenden Entschlossenheit
und Aufrichtigkeit geführt werden.
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