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Zweifel an Europäischem Technologieinstitut: Vorschlag der EU-Kommission schafft Kompetenzgerangel
Europäische Spitzenforschung nach dem Vorbild der amerikanischen Elite-Universität MIT (Massachusetts Institute of Technology)? Das klingt gut, findet auch die Europäische Kommission und will deshalb in Anlehnung an das erfolgreiche amerikanische Beispiel die Gründung eines Europäischen Technologieinstituts (EIT) vorantreiben.
Bereits seit einem Jahr wird dieser Vorschlag sehr kontrovers diskutiert, jetzt liegt er offiziell vor. Das Ziel der Europäischen Kommission, den Transfer von Ergebnissen der europäischen Spitzenforschung in marktfähige Innovationen zu verbessern, ist sicher lobenswert und basiert auf einer zutreffenden Analyse. Denn noch immer gelingt es in den europäischen Mitgliedstaaten nur unzureichend, Erfindungen in lukrative Produkte zu verwandeln. Dadurch droht ein in den Bereichen der Forschung und bei Innovationen ein weiterer Rückstand gegenüber den USA und Japan. Negativbeispiele aus der Vergangenheit sind das Faxgerät oder der MP3-Player. Beide wurden in Deutschland erfunden, die Entwicklung von marktfähigen Geräten erfolgte aber in Fernost.
Ob dieser "europäische Schwachpunkt" allerdings mit der Gründung eines EIT zu beseitigen ist, ist mehr als fraglich.
Unter dem Dach des EIT sollen ab 2008 Teams von Universitäten, Forschungseinrichtungen und Unternehmen in so genannten "Wissens- und Innovationsgemeinschaften" dauerhaft zusammengeführt und finanziell unterstützt werden. Diese Netzwerke sollen sich intensiv einer Verknüpfung von Forschung, Innovation und Hochschulbildung widmen. Die eigentliche Zentrale des EIT wird dabei lediglich aus wenigen Wissenschaftlern und Verwaltungsfachleuten bestehen, die Koordinierungs- und Planungsaufgaben erfüllen.
Bei der Finanzierung sollen sowohl öffentliche als auch private Mittel genutzt werden. Insgesamt ist ein Budget von rund 2.4 Milliarden Euro für den Zeitraum von 2008 bis 2013 vorgesehen. Unklar ist bislang, aus welchen Finanzquellen sich der EU-Anteil speisen wird.
Die Intention, Forschung und Innovation besser zu verzahnen, ist unterstützenswert. Die Schaffung neuer Institutionen ist jedoch kein Allheilmittel. Letztlich könnte der hohe organisatorische Aufwand vor allem für eine Menge Kompetenzgerangel sorgen, so die Einschätzung von Angelika Niebler.
Darüber hinaus sieht die oberbayerische Politikerin in der Gründung des Europäischen Forschungsrates, mit dem die Grundlagenforschung in Europa vorangebracht werden soll, die eigentlich wichtigste Entscheidung zur Forschungsförderung.
Eine weitere Institution könnte vor allem zu einem unnötigen Wettlauf um die vorhandenen Mittel führen.
Nach Vorlage des Gesetzesentwurfs beginnen nun Europäisches Parlament und die im Rat versammelten Mitgliedsstaaten ihre Beratungen. Angesichts der kritischen Stimmen aus dem Europäischen Parlament wird ein kontroverses Gesetzgebungsverfahren erwartet, das kaum vor Ende 2007 abgeschlossen werden dürfte.
Den genauen Wortlaut des Kommissionsvorschlages finden Sie im Internet unter:
http://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/site/de/com/2006/com2006_0604de01.pdf
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