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Seine Kaiserliche Hoheit Otto von Habsburg zu Gast in Vaterstetten
"Sehr geehrter Herr Präsident, hochverehrte leere Bänke", begrüßte Otto von Habsburg einst die schwach besetzten Ränge des Europäischen Parlaments in Straßburg. Leere Bänke musste Seine Kaiserliche Hoheit in Vaterstetten nicht fürchten. Bei einem Gespräch mit Angelika Niebler zum Thema "Ist Europa noch zu retten?" war der Festsaal des GSD Seniorenwohnparks bis auf den letzten Platz gefüllt.
Der 95-jährige Thronfolger der österreichisch-ungarischen Monarchie und ehemalige CSU-Europaabgeordnete war dort auf Einladung der Senioren-Union Vaterstetten zu Gast. In einem Gespräch mit der oberbayerischen CSU-Europaabgeordneten Angelika Niebler, die die Veranstaltung moderierte, berichtete er aus seinem bewegten Leben.
Von Geburt an dazu auserkoren, das habsburgische Kaiserreich zu führen, wurde Otto von Habsburg nach dem ersten Weltkrieg mit seiner Familie aus seinem Heimatland Österreich vertrieben. Doch im Laufe des Gesprächs wurde deutlich, dass seine Heimat nie nur Österreich war, sondern vor allem Europa.
Als Erbe des Hauses Habsburg und Sohn des letzten Kaisers Karl erlebte er die großen Momente der späten Monarchie hautnah mit: den Tod und das Begräbnis seines Großvaters, Kaiser Franz Joseph, das Ende des ersten Weltkrieges, den Zusammenbruch der Monarchie und die Zerschlagung des alten Reiches. Als erbitterter Widerstandskämpfer und Feind Adolf Hitlers wurde er steckbrieflich gesucht und verhalf in Frankreich vielen jüdischen Familien zur Flucht in die USA.
Doch auch in schier aussichtslosen Lagen verlor er nicht seinen Traum vom geeinten Europa. Bereits 1936 trat Otto von Habsburg der Paneuropa-Union bei, der auch Albert Einstein, Thomas Mann und Aristide Briand angehörten. Sein großer Einsatz für ein geeintes Europa führte ihn schließlich auf das europäische Parkett. Für die CSU, aber ohne selbst ein Parteibuch zu besitzen, zog er mit den ersten Direktwahlen 1979 von seiner Wahlheimat Bayern aus in das Europäische Parlament ein.
Dort kämpfte er u.a. für die Rechte unterdrückter Bevölkerungsgruppen in Mittel- und Osteuropa. Bemüht um Lösungen, die dem europäischen Grundgedanken Rechnung tragen, scheute er bei seiner Arbeit nie die Auseinandersetzung und nahm Verstimmungen mit anderen politischen Gruppierungen des Parlaments, aber auch mit Kollegen aus der eigenen Fraktion in Kauf. Auf seine Initiativen entstand der heute rote Europapass sowie der Abbau der Grenzkontrollen innerhalb der Europäischen Union. Er prangerte auch Missstände innerhalb des Europäischen Parlaments an, was z. B. zur Änderung der Abstimmungsordnung führte und arbeitete engagiert bei Reformen des Europäischen Parlaments mit.
"Ich bin überwältigt von so viel ungebändigtem Willen, Mut und Lebenskraft", bekundete Angelika Niebler im Anschluss an die Veranstaltung. "Ich und meine Kollegen im Parlament profitieren noch heute von der Arbeit, die Otto von Habsburg und seine Mitstreiter in der Vergangenheit geleistet haben. Ich hoffe, dass auch die heutige Generation von Abgeordneten sein Erbe gut verwaltet und mehrt, so dass unsere Nachfolger wiederum die Früchte unserer Anstrengungen ernten können." |