Europäisches Parlament verleiht Sacharow-Preis an chinesischen Menschenrechtler Hu Jia

Ein leerer Stuhl versinnbildlichte die Abwesenheit des inhaftierten chinesischen Menschenrechtlers Hu Jia bei der Verleihung des Sacharow-Preises des Europäischen Parlaments in Straßburg. Die Standing Ovations der Europaabgeordneten konnte der Preisträger nicht hören und es ist ungewiss, ob er den Preis je persönlich in den Händen halten wird. Seine Frau, Zeng Jinyan, übermittelte in seinem Namen eine Videobotschaft, in der sie sich für den Preis bedankte und ankündigte, ihn für eine Stiftung zugunsten der Angehörigen von Bürgerrechtlern zu verwenden. Auch sie selbst konnte nicht persönlich an der Verleihung teilnehmen, da sie die chinesischen Behörden unter Hausarrest gestellt haben. Ihr war sogar von den chinesischen Gefängniswärtern verboten worden, mit ihrem Mann über den Sacharow-Preis zu sprechen.

Der Sacharow-Preis des Europäischen Parlaments wird seit nunmehr 20 Jahren an außergewöhnliche Persönlichkeiten verliehen, die gegen Intoleranz, Fanatismus und Unterdrückung kämpfen. Genau wie Andrej Sacharow bezeugen die Preisträger, dass es großen Mutes bedarf, die Menschenrechte und die freie Meinungsäußerung zu verteidigen. "Als 1988 der Preis zum ersten Mal verliehen wurde, war der damalige Preisträger Nelson Mandela im Gefängnis. Im selben Jahr stand hier auch ein leerer Stuhl für Andrej Sacharow", sagte die oberbayerische CSU-Europaabgeordnete Angelika Niebler. "Trotz ihrer Abwesenheit ehrten und ehren wir diese Menschen und hören so auch die Stimmen, die von ihren Heimat-Regimes zum Schweigen gebracht wurden".

Hu Jia wurde am 25. Juli 1973 in Peking geboren. Seit vielen Jahren engagierte er sich in China für die Bekämpfung von AIDS und in Umweltschutzfragen. Von 2004 an verweigerte ihm die chinesische Polizei die Bewegungsfreiheit. Auch seine Angehörigen werden durch die Polizei schikaniert oder stehen unter Hausarrest. Als Reaktion auf diese Behandlung schloss er sich der Menschenrechtsbewegung an und veröffentlichte Artikel und Berichte, in denen er die chinesische Regierung kritisierte und gleichzeitig seine Hoffnung zum Ausdruck bringt, dass China sich bald zu einer offenen und demokratischen Gesellschaft entwickelt, in der solche Schicksale wie sein eigenes und das seiner Familie der Vergangenheit angehören.