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Prominente Genossen kritisieren Schröders Ja zu EU-Beitritt der Türkei
Kritik am politischen Kurs
der rot-grünen Bundesregierung in der Frage einer
EU-Vollmitgliedschaft der Türkei-Beitritt üben
nicht nur CDU und CSU. Kanzler Schröder hat auch
erheblichen Gegenwind aus den eigenen Reihen erfahren.
Zu Wort gemeldet hat sich eine Reihe prominenter Genossen,
wie Altbundeskanzler Helmut Schmidt, der frühere
Präsident des Europäischen Parlaments, Klaus
Hänsch, Egon Bahr sowie Schröder-Erzrivale Rudolf
Scharping. Sie alle haben vor einer Überforderung
der Europäischen Union durch einen Beitritt der Türkei
gewarnt und empfohlen, vor einer Entscheidung über
weitere Beitritte der EU eine Phase der Besinnung und
eigenen Standortbestimmung zu gönnen.
Die bemerkenswerteste Kritik gegen die "Ganz-oder-gar-nicht-Politik"
von Schröder und Fischer ist jedoch von einem der
angesehensten deutschen Historiker und langjährigen
SPD-Mitglied, Prof. Dr. Heinrich August Winkler gekommen..
Er sieht in dem Vorgehen einen Mangel an Geschichtsbewusstsein.
Denn man könne die Geschichte der Menschenrechte
und der Gewaltenteilung nicht schreiben, ohne auf deren
christliche Wurzeln zu verweisen. Insofern habe er den
Eindruck, dass die christlichen Prägungen des Westens
von vielen Politikern, die jetzt für den Türkei-Beitritt
plädierten, beharrlich ignoriert, ja verdrängt
würden.
Für die Türkei gilt nach Einschätzung des
Berliner Historikers, dass sie zwar viele westliche Gesetzbücher
übernommen habe, es fehle ihr aber der Geist
des Gesetzes'.
Winkler wörtlich: "Vieles von dem, was es in
der Türkei seit der Zeit Atatürks an Reformen
gegeben hat, könnte man als autoritäre Modernisierung
charakterisieren.
Skeptisch äußerte sich Heinrich August Winkler
auch zu der Überlegung, die Türkei als EU-Mitglied
werde als Brückenkopf in die islamische Welt wirken.
Er habe nicht den Eindruck, dass bei den politischen Eliten
in der islamischen Welt die Türkei als Vorbild gelte
- weder aufgrund der Erfahrungen, die man mit dem Osmanischen
Reich gemacht habe noch vor dem Hintergrund der Zwangsäkularisierung
in der Türkei durch Atatürk.
Auch für den Fortschritt
der Reformen in der Türkei hält Winkler den
EU-Beitritt nicht für notwendig: "Ihre Verwestlichung
muss die Türkei selbst vollenden - die EU kann ihr
das nicht abnehmen."
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