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In der Diskussion über den EU-Beitritt der Türkei geht es auch um unsere Werte
Die Diskussion über
den EU-Beitritt der Türkei hat die EU und zugleich
jedes ihrer Mitgliedstaaten wie kaum ein anderes Thema
bewegt. Denn damit ist die Zukunft der Europäischen
Union in vielfältiger Weise verknüpft. Es geht
um weit mehr als außen- und wirtschaftspolitische
Bewertungen oder die geostrategische Gewichtungen, die
selbstverständlich auch ihre Bedeutung haben.
Letztlich steht die EU vor der Frage, wie sich Beitritt
eines Landes mit einer überwiegend islamischen Bevölkerung
und einer entsprechend geprägten Gesellschaft auf
die Mitgliedstaaten mit ihren christlich-abendländischen
Grundwerten auswirken wird.
Um es von vornherein klarzustellen: Hier geht es keinesfalls
um dumpfen Nationalismus oder Chauvinismus, sondern vielmehr
eine notwendige Betrachtung von Konsequenzen, über
die wir uns vor einem so schwerwiegenden Schritt klar
werden sollten.
Wir müssen uns nach der Entscheidung des Brüsseler
Gipfels vergewissern, auf welcher Basis wir die Errungenschaften
einer pluralen Gesellschaft umsetzen. Nur wenn wir uns
die Wertorientierung der eigenen Gesellschaft bewusst
machen, können wir die Frage verantwortungsvoll beantworten,
ob die Integrationsleistung erbracht werden kann, die
mit dem EU-Beitritt der Türkei verbunden wäre.
Exemplarisch für die Herausforderungen, die mit
dieser Entscheidung einhergehen, ist für mich die
Diskussion, die wir gegenwärtig sowohl in Deutschland
wie auch in unseren Nachbarländern zum Thema "Integration
von Ausländern" führen.
Es zeigt sich zunehmend, dass das vielzitierte Multikulti',
also das unverbundene Nebeneinander von Kulturen, nicht
die Antwort sein kann. Auftretende Probleme wie die zunehmende
Entwicklung von so genannten "Parallelgesellschaften"
rühren letztlich auch daher.
Keine Frage, der Respekt von kultureller und sprachlicher
Identität muss für alle Bürger in unserer
Gesellschaft gleichermaßen gewährleistet sein.
Aber das ist keine Einbahnstraße: Wer in unserem
Land lebt, arbeitet, seine Kinder groß zieht, sollte
in der Lage sein, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen.
Grundvoraussetzung dafür ist die Sprache. Wer die
Sprache eines Landes, in dem er lebt, nicht versteht,
dem entgeht zwangsläufig das Verständnis für
das Land, seine Kultur, seine Gesellschaft und Politik.
Von aktiver Teilhabe und Mitgestaltung ganz zu schweigen.
Zu den Grundwerten in der Europäischen Union gehört
auch die Freiheit, seine eigene Religion uneingeschränkt
auszuüben und seine Überzeugungen leben zu können.
Der wechselseitige Respekt vor dem Glauben anderer sollte
dabei selbstverständlich sein.
Umso mehr stelle ich mit Verwunderung fest, dass die
Bereitschaft zu Toleranz in dieser Frage bei manch einem
gegenüber praktizierenden Christen nicht so groß
zu sein scheint.
Die Reaktionen auf den vormaligen italienischen Kandidaten
für das Amt der EU-Justizkommissars, Rocco Buttiglione,
stimmen in dieser Frage zumindest nachdenklich. Man kann
geteilter Meinung sein über die Haltung Buttigliones
zur Homosexualität. Er unterschied aber ausdrücklich
in seiner Erklärung zwischen Recht und Moral. Buttiglione
betonte, dass er sich zweifelsohne an das europäische
Recht halte, für Gleichberechtigung eintrete und
gegen jede Form der Diskriminierung kämpfen werde.
Hiervon zu trennen sei aber seine Moral, seine persönliche
Überzeugung, die keine Bevormundung dulde.
Tatsache ist, dass der Katholik Buttiglione wegen seiner
persönlichen Überzeugungen von Rot, Grün
und den Liberalen abgelehnt wurde.
Ich halte gerade eine solche Haltung für diskriminierend
und lehne sie ab. Wenn die christlichen Überzeugungen
einen Kandidaten bereits für die Übernahme von
bestimmten Ämter disqualifiziert, steht die Forderung
nach freier Religionsübung gegenüber der Türkei
auf schwankendem Grund.
Eine Wertediskussion ist
heute mehr denn je dringend erforderlich.
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