|
Breite Front im Parlament gegen Nährwertprofile und Werbeverbote
Mit einem klaren Nein gegen
die Einführung von so genannten Nährwertprofilen'
bei Lebensmitteln hat sich nach dem Industrieausschuss
auch der Verbraucherschutzausschuss des Europäischen
Parlaments klar positioniert. Ausgangspunkt der kontroversen
Diskussion ist ein Vorschlag der Europäischen Kommission,
die Werbung für Lebensmittel zu reglementieren.
Die Kommission hatte vorgeschlagen, dass Lebensmittel
künftig nur mit positiven Nährwertangaben (z.B.
"reich an Vitamin C") beworben werden dürfen,
wenn das Lebensmittel auch ein günstiges Nährwertprofil,
gemessen an einem bestimmten Gehalt an Fett, Zucker oder
Salz, aufweist. So könnten beispielsweise vitaminangereicherte
Bonbons, die zum Großteil aus Zucker bestehen, nicht
mehr mit ihrem hohen Vitamingehalt beworben werden.
Dieser Plan, der mit einem Zulassungsverfahren für
Werbebotschaften gekoppelt ist, bedeutet jedoch neue bürokratische
Anforderungen. Betroffen sind vor allem kleine und mittelständische
Lebensmittelproduzenten, die sich ein teures Zulassungsverfahren
kaum leisten können.
Auf Ablehnung ist im Industrieausschuss
außerdem ein von der EU-Kommission geplantes Verbot
für Wohlfühlslogans auf Lebensmitteln gestoßen.
Aussagen in Werbespots wie "hält jung"
oder "gibt Schwung" wären damit nicht länger
erlaubt.
Während einheitliche Werte für nährwertbezogene
Angaben, etwa zur Kennzeichnung des Fett- oder Vitamingehaltes
eines Produkts Sinn machen, ist dies im Falle eines Verbots
von Wohlfühl-Aussagen strittig. Diese allgemeinen
Aussagen sprechen lediglich Gefühle und Stimmungen
an, die der Verbraucher sehr wohl als solche verstehen
kann.
Zudem bestehen bereits eine ganze Reihe nationaler und
europäischer Vorschriften, die die Verbraucher vor
irreführender Werbung schützen. Die Korrekturen
von Industrie- und Verbraucherschutzausschuss waren notwendig
und eine deutliche Abkehr von weiterer Bürokratisierung.
Sie sind ein wichtiges Signal für die weiteren Beratungen
im Parlament, die bis zur Jahresmitte abgeschlossen werden
sollen.
Mehr Informationen zum Vorschlag der Kommission finden
Sie unter:
http://europa.eu.int/scadplus/leg/de/lvb/l21095.htm
Den Wortlaut des Verordnungsvorschlages finden Sie unter:
http://europa.eu.int/eur-lex/lex/LexUriServ/site/de/com/2003/com2003_0424de01.pdf
|