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| Oktober 2005 / 1 | ||||
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Die Illusion eines einheitlichen "Europäischen Sozialmodells" In der Europäischen Union bekommt
gegenwärtig ein Thema Konjunktur, das auch in Deutschland einen
erheblichen Stellenwert einnimmt und zwischen den politischen Lagern
höchst kontrovers diskutiert wird. Es geht um die Zukunftsgestaltung
der sozialen Sicherungssysteme. Genau damit fangen aber die Schwierigkeiten an: Zwar ist die Tatsache,
dass über diesen zukunftsweisenden Bereich nachgedacht und mit
Fachleuten und Politikern erörtert wird, gänzlich unumstritten.
Fraglich ist jedoch, ob am Ende einer solchen Diskussion vernünftigerweise
eine Lösung stehen kann, die für alle 25 Mitgliedsstaaten
gleichermaßen sinnvoll, praktikabel und nachhaltig ist. Es stellt
sich auch die Frage, ob es überhaupt einer Europäischen
Lösung bedarf oder diese nicht besser auf nationaler Ebene herbeigeführt
werden sollte. Auch beim kommenden Gipfeltreffen der europäischen Staats- und Regierungschefs am 27. Oktober soll das "Europäische Sozialmodell" auf die Tagesordnung. Währenddessen mehren sich die kritischen Stimmen, wie z. B. des belgischen Ökonom André Sapir. Er lehnt in seiner Studie "Globalisation and the Reform of European Social Models", die er jüngst den EU-Finanzministern in Manchester vorgestellt hat, die Idee eines einheitlichen europäischen Sozialmodell ab. Vielmehr setzen nach seiner Einschätzung die EU-Mitgliedsstaaten in ihren Bemühungen um soziale Gerechtigkeit sehr unterschiedliche Schwerpunkte. Gemeinsam sei ihnen zwar, dass sie im Vergleich zu China und den USA Maßnahmen treffen, um Arbeitslosigkeit zu vermeiden und so einer Verarmung der Bevölkerung entgegenzuwirken. Dieses gemeinsame Anliegen allein rechtfertigt jedoch nach Sapirs Ansicht nicht, von einem Prototyp "Europäisches Sozialmodell" auszugehen. Die bestehenden Regelungen zur sozialen Sicherung sind in den EU- Mitgliedstaaten über einen langen Zeitraum gewachsen und entsprechen der jeweiligen gesellschaftspolitischen Kultur. So wird beispielsweise die Abgrenzung zwischen individueller Eigenverantwortung und staatlicher Fürsorge in den einzelnen Mitgliedsländern aus eigener Tradition heraus sehr unterschiedlich vorgenommen. Eine EU-weite Harmonisierung der unterschiedlichen Altersabsicherungs- und Krankenversicherungssysteme wäre daher absurd, noch dazu mit riesigem Aufwand und erheblichen Kosten verbunden, ohne dass dies automatisch zu effizienteren Systemen in den Mitgliedsstaaten führte. Richtig und wichtig ist, angesichts neuer Herausforderungen wie dem demografischen Wandel und der rasanten technischen Entwicklung die Frage nach der Eigenverantwortung in den Mitgliedsländern neu zu stellen und zu beantworten. An dieser Debatte wird sich die CDU/CSU-Gruppe im Europäischen Parlament gerade auch vor dem Hintergrund der Diskussion in unserem Land aktiv beteiligen und Stellung beziehen. Im Vordergrund müssen Antworten stehen, die der Leistungsfähigkeit der einzelnen Mitgliedsländer entsprechen. Eine europäische Antwort kann es hier nicht geben.
Homepage der Europäischen Kommission
zum Thema "Sozialpolitische Agenda" Der Text der aktuellen Kommissionsmitteilung
Sozialpolitische Agenda Der Text des Papiers "Globalisierung
and the Reform of European Social Models" von André Sapir Homepage des für Sozialfragen
zuständigen EU-Kommissars Vladimír pidla Interview mit EU-Kommissar Vladimír
pidla zum Thema Europäisches Sozialmodell |
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| Impressum | ||||
| Herausgeber: Dr. Angelika Niebler, MdEP Bürgerbüro: E-Mail: info@angelika-niebler.de |
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