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Oktober 2009/1 Slowenien
zieht Veto zurück - Grünes Licht für kroatischen EU-Beitritt Kroatien kann aufatmen. Die neun Monate andauernde slowenische
Blockade der EU-Beitrittsverhandlungen des Balkanstaates wurde am 29.
September aufgelöst und die Beratungen am vergangenen Freitag wieder
aufgenommen. Kroatien hat nun wieder beste Chancen, nächstes EU-Mitglied zu
werden. Der für 2010 angestrebte Beitritt verzögert sich durch das Veto der
Slowenen aber voraussichtlich um ein bis zwei Jahre. Die Europäische Kommission eröffnete am Freitag sechs neue
Verhandlungskapitel mit Zagreb, fünf weitere wurden für abgeschlossen
erklärt. In den Bereichen Freizügigkeit der Arbeitnehmer, Gesellschaftsrecht,
Statistik, Transeuropäische Netze und Zollunion erfüllte Kroatien alle
Kriterien zur Aufnahme in die Europäische Union. Der freie Kapitalverkehr,
Landwirtschaft und ländliche Entwicklung, Nahrungsmittelsicherheit,
Steuerwesen, Regionalpolitik sowie Justiz sind die weiteren sechs Bereiche,
über die nun beraten wird. Möglich wurde eine Fortsetzung der Gespräche durch das
Einlenken des slowenischen Premierministers Borut Pahor, der gemeinsam mit seiner kroatischen Amtskollegin Jadranka Kosor erklärte, dass
der Grenzstreit nicht länger ein Hinderungsgrund für die
EU-Beitrittsverhandlungen Kroatiens sei. Im vergangenen Dezember hatte
Slowenien im Rat ein Veto gegen die Beitrittsgespräche mit Kroatien
eingelegt, da die offiziellen Verhandlungsunterlagen einer Entscheidung über
den Grenzverlauf zwischen den beiden Nachbarstaaten zu Ungunsten von
Slowenien vorgreifen würden. Eigentlich eine bilaterale Angelegenheit, die niemals zur
Aussetzung der Beitrittsgespräche hätte führen dürfen – zumal Grenzen
zwischen den Mitgliedstaaten der EU keine große Rolle mehr spielen. Das ist kleinkarierter Nationalismus, der zeigt, dass trotz der
eigenen EU-Mitgliedschaft der europäische Gedanke in Slowenien zumindest in
diesem Punkt nicht angekommen zu sein scheint. Der Verdacht liegt zudem nahe,
dass der Grenzstreit lediglich ein Vorwand zur Blockade war, da der
Grenzverlauf bei den eigenen Beitrittsverhandlungen als EU-Außengrenze kein
Thema war, als EU-Binnengrenze jetzt aber doch. Der Streit zwischen den beiden ehemaligen Teilrepubliken
Jugoslawiens dauert schon 18 Jahre an. Er betrifft kleine Landstriche an der
Adriaküste und insbesondere den Verlauf der Seegrenze in der Piran-Bucht, die für Slowenien allerdings entscheidend
sind, um einen eigenen Zugang zu Hochseegewässern zu bekommen. Kroatien hat
sich nun bereit erklärt, den Grenzverlauf im Rahmen eines internationalen
Schiedsverfahrens mit der Europäischen Kommission als Vermittlerin
feststellen zu lassen. Den beiden Ländern ist zu wünschen, dass
auf diese Weise der Streit möglichst schnell beigelegt wird. Die Staaten des
Westbalkans haben seit der Beendigung der Jugoslawienkriege eine erstaunliche
wirtschaftliche und soziale Entwicklung genommen und es wäre für die ganze
Region ein falsches Signal wenn die Beitrittsverhandlungen eines im Grundsatz
beitrittsfähigen Staates an solch einer Frage scheitern würden. Haben Sie zu diesem
Thema Fragen oder Anregungen? Dann schreiben Sie mir bitte! Mehr Informationen zu diesem Themenkomplex finden Sie auf der
folgenden Seite im Internet: Kurzdarstellung des Europäischen Parlaments
zur Erweiterungspolitik der Europäischen Union: http://www.europarl.europa.eu/parliament/expert/displayFtu.do?language=de&id=74&ftuId=FTU_6.3.1.html |
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