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Februar 2010/2 Wieder
Ärger um das Einheimischenmodell – vier oberbayerische Gemeinden im Visier
der EU-Kommission Gut
eineinhalb Jahre lang war es in Brüssel still geworden um das Einheimischenmodell.
Der zuständige Binnenmarktskommissar Charlie McCreevy
hatte das gegen die Bundesrepublik Deutschland eingeleitete Vertragsverletzungsverfahren
auf Eis gelegt (wir berichteten von den Anschuldigungen im Januar 2008, s.
Link unten). Doch im Oktober 2009 wurde das Vorverfahren wieder aufgenommen. Während
ursprünglich nur das Modell der nordrheinwestfälischen Gemeinde Selfkant
angeprangert wurde, sind nun auch vier oberbayerische Gemeinden ins Visier
der Kommissionsbeamten geraten. Bernried,
Seeshaupt, Vohburg an der Donau und Weilheim nutzen das Einheimischenmodell,
um ihre gewachsenen Familien- und Gemeindestrukturen zu erhalten. Wie viele
andere Kommunen im Münchner Umland und dem Voralpenland gewähren sie ortsansässigen
Bürgern vergünstigte Konditionen auf Baugrundstücke, um insbesondere jungen
Familien die Möglichkeit zu geben, in ihrem Heimatort zu bleiben. Unglaublich,
aber wahr: die Europäische Kommission sieht darin eine Verletzung der
Niederlassungsfreiheit und des freien Kapitalverkehrs, die zu den vier
Grundfreiheiten des europäischen Binnenmarkts zählen. In einem Mahnschreiben
an die Bundesregierung werden die vier Gemeinden exemplarisch für die
besonders in Süddeutschland gängigen Einheimischenmodelle genannt. Positiv
ist, dass sich die Bundesregierung in einer Stellungnahme auf die Seite der
bayerischen Ortschaften gestellt hat. Der
Erhalt der in Gefahr geratenen Einheimischenmodelle ist für Bayern ein wichtiges
Anliegen. Ich werde mich dafür einsetzen, dass es den bayerischen Kommunen
weiterhin überlassen bleibt, ihre Siedlungsstrukturen selbstständig
festzulegen. Dabei darf es selbstverständlich nicht zu Diskriminierungen kommen.
Die Kriterienkataloge der betroffenen Gemeinden sehen aus diesem Grund auch
bereits verschiedene Punkte vor, die Bürger für die Teilnahme am
Einheimischenmodell qualifizieren. So gibt es neben der Ortsansässigkeit u.a.
auch soziale Gründe wie Wohnortnähe oder Vereinszugehörigkeit, die bei der Beurteilung
zu berücksichtigen sind. Die
Einheimischenmodelle sind für viele Gemeinden existenziell wichtig geworden. Etwa
für Bernried, das 2008 beim Bundeswettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ mit der
Goldmedaille ausgezeichnet wurde. Die Wettbewerbskriterien waren behutsamer
Umgang mit Bauland, Offenheit für neue Technologien und vor allem die aktive Gemeindegestaltung
durch die einheimischen Bürger. All dies sind Kriterien, die durch das
Einheimischenmodell maßgeblich gefördert wurden. Ohne
das Einheimischenmodell könnte es in der beschaulichen Ortschaft am Starnberger
See auch ganz anders aussehen: massenweise Zweit- und Ferienwohnungen reicher
Großstadtmenschen, die mehrere Monate im Jahr leer stehen, eine stark veraltete
Einwohnerstruktur und ein zerfallenes Gemeindeleben. Ob
die Europäische Kommission das bedacht hat? Es kann jedenfalls nicht sein,
dass sie vorausschauende, aktive Sozial- und Siedlungspolitik bestraft. Denn
diese ist notwendig, um unseren Gemeinden in Bayern eine Zukunft zu sichern. Haben Sie zu diesem
Thema Fragen oder Anregungen? Dann schreiben Sie mir bitte! Mehr Informationen zu
diesem Themenkomplex finden Sie auf der folgenden Seite im Internet: Europa-Telegramm Januar 2008/1 zum
Einheimischenmodell: http://www.angelika-niebler.de/telegramm/telegramm_64.htm |
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