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März 2010/1 Quo
vadis, Euro? - Griechische Tragödie stellt EU vor schwierige Herausforderung Die Europäische Währungsunion braucht eine
neue Basis. Das ist nach der griechischen Bankrotterklärung mehr als deutlich
geworden. Nicht nur Griechenland - auch Spanien, Portugal, Irland und Italien
sind infolge der Finanzkrise nahezu ausweglos hoch verschuldet und bringen
damit die Stabilität des Euro in Gefahr. Doch es ist nicht leicht, eine
Antwort auf die Frage zu finden, wie die Euro-Länder gegensteuern können. Bei einer Debatte des Europäischen
Parlaments mit Ratspräsident Herman Van Rompuy in der vergangenen Woche waren
einfache Lösungswege jedenfalls nicht in Sicht. Die Diskussion kreiste um die
Frage, welches Opfer die Eurozone bringen muss um nicht zu scheitern: den
Euro oder die nationale Souveränität in der Wirtschaftspolitik? Meinungsumfragen in Deutschland zufolge ist
das Bauernopfer bereits gefunden: Griechenland sollte für seine Mogelpackung
büßen (die griechische Regierung „erschlich“ sich den Euro mit gefälschten
Haushaltszahlen) und aus der Eurozone ausgeschlossen werden. Die Entrüstung
über das Gebaren der Griechen ist gut nachvollziehbar. Aber sie schürt auch
gefährliche nationale Ressentiments auf beiden Seiten, die uns in der
Sachfrage nicht weiterbringen. Könnte Griechenland überhaupt aus der
Eurozone ausgeschlossen werden? Eine rechtliche Grundlage für einen Austritt
gibt es nicht, die Europäische Zentralbank kommt sogar zu dem Schluss, dass
es juristisch gesehen „nahezu unmöglich“ ist, ein Land von der Währungsunion
auszuschließen. Politisch wäre eine solche Lösung zwar durchsetzbar, aber ob
das Problem damit gelöst oder nur aufgeschoben wird, vermag derzeit niemand
mit Sicherheit zu sagen. Vermutlich wäre es in dem Fall wohl nur eine Frage
der Zeit, bis andere Staaten in einen ähnlichen Strudel geraten und im
Endeffekt die gesamte Eurozone mit hinunterziehen würden. Der richtige Weg wäre deshalb zunächst,
Griechenland unter strenger Aufsicht der EU den Weg aus der größtenteils
selbst verschuldeten finanziellen Misslage allein gehen zu lassen. Die
impliziten Hilfszusagen der europäischen Staats- und Regierungschefs senden
ein falsches Signal – nicht nur an Griechenland, sondern auch an die oben
genannten anderen Staaten. Die Gefahr steigt, dass diese nicht genügend
Anreize zur Selbsthilfe sehen und ihre wirtschaftlichen Probleme auf Dauer nicht
selbst lösen. Denn wohin führt diese Politik, wenn Griechenland sich trotz
aller Hilfen nicht aus dem Schuldental befreien kann? Was geschieht mit den
anderen gefährdeten Staaten? Wie labil der Stabilitätspakt tatsächlich
ist, zeigt sich in Zeiten der Krise – einmal mehr muss also die Politik
Stabilität beweisen, nachdem sie in Zeiten des Booms auf Regelungen gesetzt
hatte, die nicht für die Krise gemacht waren. Vielleicht ist es an der Zeit,
dass die EU-Mitgliedstaaten das eherne Gesetz einer Währungsunion endlich
befolgen. Eine engere wirtschaftspolitische Koordinierung innerhalb der
Euro-Zone scheint die einzige Möglichkeit, die Währungsunion wieder zum
Erfolg zu führen. Zu sagen, dass dies im Kern eine gemeinsame, oder zumindest
besser abgestimmte Ausgaben-, Steuern- und Arbeitsmarktpolitik bedeutet,
trauen sich derzeit nicht viele Politiker. Sicher wäre es extrem schmerzhaft, diese
Teile der nationalen Wirtschaftspolitik zu opfern. Doch der Glaube, dass man
heutzutage wirtschaftspolitisch noch souverän nationalstaatlich handeln kann,
ist ohnehin eine Illusion. Realistisch aber ist: so weit wird es
zumindest in absehbarer Zeit nicht kommen. Die Vergangenheit hat gezeigt,
dass die EU ein Projekt der kleinen Schritte ist. Es gab immer klare Alternativen,
für die sich die Regierungen der Mitgliedstaaten hätten entscheiden können.
Gewählt wurde immer der Mittelweg – eine Kompromisslösung, die nie wirklich
gut war. Aber auch nie richtig schlecht. Quo vadis, Euro… Haben Sie zu diesem
Thema Fragen oder Anregungen? Dann schreiben Sie mir bitte! Mehr Informationen zu
diesem Themenkomplex finden Sie auf der folgenden Seite im Internet: Kurzdarstellung der Europäischen
Wirtschafts- und Währungsunion: http://www.europarl.europa.eu/parliament/expert/displayFtu.do?language=de&id=73&ftuId=theme5.html |
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