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April 2010/1 Deutsche
38 soll nicht länger italienische 44 bleiben – Europaabgeordnete wollen einheitliche
Konfektionsgrößen Auf so manchem Damenslip ist das Etikett schon mal größer als die
Stofffläche des Kleidungsstücks, und die Trägerin weiß sich nicht anders zu helfen,
als dieses mit einem beherzten Schnitt in den Mülleimer zu befördern. Wo
bleibt da der eigentliche Sinn des Etiketts - die Verbraucherinformation? Und
wieso passt man als schlanke Frau mit Konfektionsgröße 36 in Italien nicht
mal in Kleider der Größe 40? Mit diesen Fragen beschäftigt sich aktuell ein Legislativbericht
meines niederländischen Kollegen Toine Manders, der sich dazu berufen fühlt, Ordnung in Europas
Kleiderschränke zu bringen. Zunächst einmal schmunzelt man über dieses Vorhaben, denn die EU hat ja
nun wahrlich wichtigere Dinge zu regeln als Kleidergrößen. Und ist das nicht
auch irgendwie ein Frauenthema? Irgendwie schon, aber irgendwie ist es auch
mehr als das. Denn nicht selten sind es Männer, die Schwierigkeiten haben,
sich ihre eigene Kleidergröße zu merken – wie sollen sie sich da in dem
europäischen Chaos von unterschiedlichen Schuh-, Hemden- und Hosengrößen zu
Recht finden? Ganz zu schweigen von der neuen, modebewussten Generation von
Männern, für die sich die Frage gar nicht stellt, ob es sich dabei um ein
Frauenthema handelt. Außerdem erwischt einen der Größenwirrwarr nicht nur im
Urlaub - auch der wachsende Onlinemarkt für Bekleidung, über den inzwischen 20
Prozent der europäischen Klamotten ihre Käufer finden, stellt so manchen Verbraucher
vor Herausforderungen. Deshalb lautet das Credo einer Mehrheit des Binnenmarktausschusses im
Europäischen Parlament: Egal ob in Amsterdam, London oder Madrid – Größe 38
muss überall Größe 38 sein. Zwar hat die Europäische Kommission bereits vor
Jahren die europäische Norm EN 13402 für Kleidergrößen erlassen, diese gilt
aber nur als Empfehlung. Und so scheren sich die Modedesigner und
Textil-Fabrikanten wenig um die gewohnten Angaben in den verschiedenen
europäischen Ländern. Dadurch entspricht z.B. die deutsche Größe 38 der 44 in
Italien und der 40 in Frankreich. Wo es bei den Konfektionsgrößen ein Mehr an europäischen Vorgaben geben
soll, soll nach Willen der Parlamentarier bei den Etiketten gekürzt werden. Bei
der Kennzeichnung ihrer Produkte müssen Textil-Fabrikanten und Importeure
zahlreiche europäische Vorschriften einhalten: Neben den bekannten Pflege-Hinweisen
gehören dazu eingenähte Etiketten, die u.a. über Inhaltsstoffe
und mögliche Gefahren aufklären sollen. Das Resultat: Die völlig überzogene
und komplizierte Kennzeichnung wird gar nicht mehr beachtet, die wirklich
wichtigen Informationen gehen unter – wie bei dem Etikett des
Eingangsbeispiels Damenslip. Der Manders-Bericht fordert deshalb die
Kommission dazu auf, zu prüfen, welche Angaben für den Verbraucher
unverzichtbar sind und welche ihm auf andere Weise zugänglich gemacht werden
können. So wäre es beispielsweise denkbar, Informationen über gekaufte
Kleidungsstücke im Internet zugänglich zu machen und nur die wichtigsten
Pflegehinweise und Inhaltsstoffe auf die Etiketten zu drucken. Damit würden
die Schilder den Tragekomfort eines Kleidungsstücks nicht mehr
beeinträchtigen. Ob sich für diese Forderungen eine Parlamentsmehrheit findet,
wird Mitte Mai die erste Lesung im Plenum zeigen. Haben Sie zu diesem
Thema Fragen oder Anregungen? Dann schreiben Sie mir bitte! Mehr Informationen zu
diesem Themenkomplex finden Sie auf den folgenden Seiten im Internet: Vorschlag der Europäischen Kommission für
eine Überarbeitung der Textil-Vorschriften: http://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/LexUriServ.do?uri=CELEX:52009PC0031:DE:HTML Entwurf des Legislativberichts des
Europäischen Parlaments: |
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