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April 2010/2 Fahrzeuge
sollen sauberer werden – EU will CO2-Ausstoß im Straßenverkehr verringern Ist
der Motor schon an? Als ich kürzlich in Brüssel eine Testfahrt in einem Mini
E von BMW machen durfte, konnte ich kaum glauben, wie leise der kleine
Elektroflitzer war – und das bei stolzen 204 PS. Die Stille war anfangs
beinahe erschreckend, aber bei Tempo 100 und mehr, auf die der Mini E in 8,5
Sekunden beschleunigen kann, steigert die Ruhe im Innenraum den Fahrkomfort
enorm. Kurzum: ich war begeistert! CO2-Ausstoß gleich Null, kein laut
dröhnender Motor und trotzdem ein tolles Fahrgefühl… wären da nicht die
Nachteile, die derzeit noch allen Elektroautos gemein sind: der hohe
Anschaffungspreis und die geringe Reichweite (250 Kilometer im Fall des Mini
E). Noch
fehlt für elektrisch betriebene Fahrzeuge die Infrastruktur wie
„Stromzapfsäulen“ mit grünem Strom an den Tankstellen und deren europaweite
Standardisierung. Auch die Technologie muss noch weiter ausreifen, um für
jedermann erschwingliche und leistungsstarke Elektroautos auf den Markt zu
bringen. All das wird Zeit brauchen, aber die Europäische Union wird
Industrie und Verbraucher in dieser Sache nicht im Regen stehen lassen: Am
Mittwoch stellte EU-Industriekommissar Antonio Tajani
dem Industrieausschuss des Europäischen Parlaments die ehrgeizige Strategie
der Kommission für saubere und energieeffiziente Fahrzeuge vor, deren
Grundzüge bei uns Abgeordneten auf große Zustimmung stießen. Angesichts der knapper werdenden fossilen Brennstoffe will die
EU in Zukunft verstärkt die Erforschung und Nutzung effizienter und
umweltfreundlicher Technologien fördern, die den CO2-Ausstoß von Fahrzeugen
reduzieren. Zu den berühmten Karotten gehört aber auch die (sanfte) Peitsche:
ein Kohlendioxid-Grenzwert, welcher bereits für die europäische PkW-Flotte gilt, soll auch für andere Kraftfahrzeuge wie
Motorräder und Lastwagen festgelegt werden. Hersteller, deren Fahrzeuge im
Schnitt diesen Grenzwert nicht einhalten, müssten dann voraussichtlich mit
einer Geldstrafe rechnen. Ein weiterer Schwerpunkt in der Mitteilung sind Maßnahmen zur
europaweiten Standardisierung von Ladestationen und Steckern von
Elektroautos. Eine solche Standardisierung soll sicherstellen, dass das
Fahrzeug an jeder erreichbaren Station aufgeladen werden kann – was ein
großer Pluspunkt für das Vertrauen der Verbraucher in die Technologie wäre. Ebenso wie für die Verbraucher ist eine Harmonisierung der
Normen für Elektroautos für die heimische Industrie von großer Bedeutung. Die
bayerische Automobilbranche gehört mit über 180.000 Beschäftigten zu den
größten Arbeitgebern im Freistaat. Damit diese Arbeitsplätze erhalten
bleiben, müssen sich die Autobauer nach dem globalen Trend richten – fast
zwei Drittel ihres Umsatzes erzielen Audi, BMW und Co. im Ausland. Bekanntlich schläft die Konkurrenz nicht: Weltweit geht der
Trend zum Einsatz von nachhaltigen Energieträgern im Straßenverkehr. Die USA
haben bereits ein 2,9 Mrd. Dollar schweres Forschungsprogramm für
Elektroautos aufgelegt, China subventioniert die Entwicklung ebenfalls in
Milliardenhöhe, während es in der EU nur vereinzelte nationale Vorstöße gibt
und kleinere Pilotprojekte, die von der EU mit ein paar Millionen Euro
bezuschusst werden. Während China und die USA bereits an gemeinsamen
Standards für Batterien arbeiten, haben die europäischen Regierungen in
dieser Hinsicht noch nichts unternommen. Lediglich auf nationaler Ebene sind
erste gute Ansätze zu erkennen: In Großbritannien erhalten die Käufer eines
Elektroautos bis zu 5.800 Euro Prämie, für E-Autofahrer in Skandinavien gilt
freie Fahrt auf der Busspur und auch in Deutschland kommt jetzt Bewegung in die
Sache. Die Kanzlerin hat für kommenden Montag zum Elektromobilitäts-Gipfel
nach Berlin eingeladen, wo u.a. die „Nationale
Plattform Elektromobilität“ unter der Leitung von Ex-SAP-Chef Henning Kagermann gegründet wird, die den Rahmen für ein großes
Ziel gestalten soll: Bis 2020 sollen auf Deutschlands Straßen eine Million
Elektroautos fahren. Die europäische Automobilindustrie kann nur dann
wettbewerbsfähig bleiben, wenn sie gemeinsam in grüne Technologien
investiert. Alleine kann man sich kaum gegen die großen Konkurrenten aus den
USA und Asien behaupten. Die Mitteilung der Europäischen Kommission ist daher
ein erster Schritt in die richtige Richtung. Wir werden im Europäischen
Parlament sicher noch an der ein oder anderen Stelle nachjustieren müssen und
vor allem den Regierungen ein bisschen mehr Dampf unterm Hintern machen um
ein koordiniertes Vorgehen zu beschleunigen. Haben Sie zu diesem
Thema Fragen oder Anregungen? Dann schreiben Sie mir bitte! Mehr Informationen zu
diesem Themenkomplex finden Sie auf den folgenden Seiten im Internet: Mitteilung der
Europäischen Kommission „Strategie für saubere und energieeffiziente
Fahrzeuge“: Homepage der Kommission mit weiteren
Informationen zur Strategie (Englisch): |
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