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Mai 2010/2 +++ Aus aktuellem Anlass:
Die Eurokrise war das bestimmende Thema auf beinahe allen Veranstaltungen,
die ich in den vergangenen Tagen in Oberbayern besucht habe. Ein Film-Team
der ZDF-Sendung „ML Mona Lisa“ hat mich dabei begleitet. Griechenland und der
Euro werden deshalb auch in einem Portrait über mich zur Sprache kommen, das
am Sonntag, den 16. Mai 2010, ab 18 Uhr im Rahmen der Sendung gezeigt wird. +++ Weitere Informationen: http://monalisa.zdf.de/ZDFde/inhalt/2/0,1872,8072322,00.html Der
Euro unter Beschuss – Kommission plant dauerhaften Rettungsschirm für
Mitgliedsländer „Griechenland ist euer Lehman
Brothers“ hatte der amerikanische Makroökonom Barry Eichengreen
die Europäer vor einigen Wochen gewarnt. Aus ihm sprach die Furcht vor dem
Dominoeffekt, der nach den Banken zu Beginn der Krise nun auch den hoch
verschuldeten Staaten in Europa drohte. Am Wochenende war es tatsächlich
soweit: Europa stand vor dem finanz- und wirtschaftspolitischen Abgrund,
Spekulanten drohten den Euro ins Bodenlose zu stürzen. Die EU scheint jedoch
aus der Bankenkrise gelernt zu haben, ihr blieb letztlich keine andere Wahl:
Die Regierungen der EU-Mitgliedstaaten haben nach ihrem Hilfsangebot für
Griechenland nun einen weiteren milliardenschweren Rettungsschirm auch für
andere von der Pleite bedrohte Euro-Länder aufgespannt. Die Gefahr eines weiteren Währungsverfalls ist damit vorerst gebannt –
aber zu welchem Preis? Die wohlhabenden EU-Staaten wie Deutschland haben
gerade Bankenrettungen und Konjunkturprogramme in historischer Größenordnung
mit Schulden finanziert. Nun häufen sie weitere Schulden an, um Griechenland
und weitere Pleitekandidaten wie Portugal, Spanien, Italien oder Irland vor
dem Bankrott zu bewahren. 720 Milliarden Euro garantieren eine
Zweckgesellschaft aus der Europäischen Kommission, den Euro-Staaten und dem
Internationalen Währungsfonds. Den Bärenanteil in Höhe von 440 Milliarden
Euro decken die Euro-Länder. Die Märkte sind damit erst einmal beruhigt, aber wenn es so weiter
geht, schlittert Europa in ein für unsere Generation beispielloses
finanzielles Fiasko. Die Politik darf nicht noch einmal auf diese Weise zur
Getriebenen der Weltfinanzmärkte werden. Die EU-Kommission will deshalb den
eilig aufgespannten Rettungsschirm zur festen Instanz in Europa machen: Die
Kreditlinie von 500 Milliarden Euro für Pleitestaaten soll möglicherweise
nicht nur für drei Jahre die Gemeinschaftswährung sichern, sondern auf Dauer
bereitstehen. Außerdem hat die EU-Kommission nach Monaten des Zögerns endlich
ihre Pläne zur Haushaltskontrolle bei den Mitgliedsstaaten konkretisiert. Die neue Basis, auf die die europäische Währungsunion gestellt werden
muss, könnte damit schneller Realität werden als erwartet. Doch die
Vorschläge der Kommission sind schmerzhafte Einschnitte in nationale
Kompetenzen. So soll schon ab 2011 ein „Europäisches Semester“ eingeführt
werden, in dem die Regierungen ihre Haushaltsentwürfe sowie wirtschafts- und
sozialpolitischen Reformpläne jeweils für das Folgejahr in Brüssel einreichen
und mit den EU-Partnern abstimmen. Außerdem sollen Haushaltssünder zukünftig
nicht nur für eine überhöhte Neuverschuldung, sondern auch für ihren zu hohen
Gesamtschuldenstand bestraft werden können. Bei dauerhaftem Verstoß gegen die
Regeln des Stabilitätspaktes soll zudem der Umgang mit Subventionen aus dem
EU-Haushalt überprüft werden. Innerhalb der CDU/CSU-Gruppe im Europäischen Parlament wurden diese
Vorschläge unterschiedlich aufgenommen. Ein ergänzender Vorschlag zum
Europäischen Semester ist etwa, der europäischen Statistikbehörde „Eurostat“ das Recht einzuräumen, die Haushaltszahlen
der Mitgliedstaaten direkt zu prüfen. Nur durch die falschen Angaben von
Griechenland und einigen anderen Ländern war es diesen nämlich überhaupt
möglich, die Kriterien zur Einführung des Euro zu erfüllen. Der Schuldenabbau ist wichtig, mindestens genau so wichtig ist aber
auch ein schnelles und entschiedenes Vorangehen in Sachen
Finanzmarktregulierung. Grundsätzlich gilt: es darf keine Denkverbote geben.
Sobald die Märkte sich beruhigt haben, muss über die Frage nachgedacht
werden, wie Spekulationen so weit wie möglich zurückgefahren werden können.
Außerdem sollten diejenigen, die auf die Krise gewettet und daran verdient
haben, in die Pflicht genommen und z.B. durch eine Bankenabgabe oder
Finanztransaktionssteuer stärker an den Schulden beteiligt werden. Wenn wir
die Gläubiger für ihre Risikofreudigkeit auch weiterhin nicht bestrafen,
bleiben die Anreize, nicht so genau hinzugucken, nach wie vor groß. Zu groß
für ein weltweites Finanzsystem, in dem schon der Flügelschlag eines
Schmetterlings einen Orkan auslösen kann. Haben Sie zu diesem
Thema Fragen oder Anregungen? Dann schreiben Sie mir bitte! Mehr Informationen zu
diesem Themenkomplex finden Sie auf den folgenden Seiten im Internet: Häufig gestellte Fragen zur Notsituation in
Griechenland und der Eurokrise: http://www.angelika-niebler.de/htm/faqeurokrise.htm Europa-Telegramm März 2010/1 zu Griechenland
und dem Euro: http://www.angelika-niebler.de/telegramm/telegramm_113.htm Kommunikation der Europäischen Kommission „Reinforcing economic policy coordination“
(Englisch): http://ec.europa.eu/economy_finance/articles/euro/documents/2010-05-12-com(2010)250_final.pdf |
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