März 2006 / 1

Rote Karte für  Zwangsprostitution

Im Rahmen des Weltfrauentages am 8. März hat sich das Europäische Parlament schwerpunktmäßig mit dem Thema der Zwangsprostitution und dem Menschenhandel bei internationalen Sportveranstaltungen beschäftigt.

Bei Veranstaltungen wie den Olympischen Spielen, Fußballmeisterschaften und ähnlichen Ereignissen steigt erfahrungsgemäß die Nachfrage nach Prostitution. Oft sind die Frauen, die diese steigende "Nachfrage" stillen müssen, Opfer des organisierten Verbrechens.

Sie werden häufig durch die falsche Versprechung, es würde legale Arbeit auf sie warten, getäuscht und dann zur Prostitution gezwungen. Für die im Sommer stattfindende Fußballweltmeisterschaft in Deutschland wittert das international organisierte Milieu nun ein gewinnbringendes Geschäft. Es ist von über 10.000 Menschen die Rede, die nur wegen der WM nach Deutschland verschleppt werden sollen. Hauptsächlich handelt es sich dabei um Frauen. Jahr für Jahr sind es sogar 600.000 bis 800.000 Menschen, die Opfer des Mensenhandels werden.

Die WM soll hier nicht schlecht geredet werden. Ungeachtet dessen kann das öffentliche Interesse an der Weltmeisterschaft jedoch dafür genutzt werden, auf das Thema Menschenhandel und Zwangsprostitution aufmerksam zu machen.

Zwangsprostitution ist ein grenzüberschreitendes Verbrechen, das nach einer grenzüberschreitenden Antwort verlangt. Hier kann und muss die Europäische Union zusammen mit anderen internationalen Organisationen  handeln. Europa kann nicht tatenlos zusehen.

So hat die Europäische Union bereits 2002 und 2004 Rahmenbeschlüsse zur Bekämpfung von Menschenhandel verabschiedet, in denen sie die Mitgliedsstaaten dazu auffordert, Menschenhandel unter Strafe zu stellen und die Opfer zu schützen. Zudem soll mit Hilfe des EU-Aktionsprogramms DAPHNE II Gewalt gegen Frauen und Kinder verhütet und bekämpft werden.

Ferner hat die Europäische Kommission im Hinblick auf die Fußballweltmeisterschaft 2006 gefordert, dass die Visapolitik im Schengen-Raum, zu dem auch Deutschland gehört, noch weiter verstärkt wird und somit die Außengrenzen der EU weniger durchlässig für Schleuserbanden werden.

Das Europäische Parlament hat zudem eine Entschließung vorbereitet, über die in der nächsten Woche im Plenum in Straßburg abgestimmt wird. Hierin wird noch einmal explizit auf die verschärfte Situation bei internationalen Sportveranstaltungen hingewiesen und die Mitgliedsstaaten werden dazu aufgefordert, sich weiterhin aktiv gegen Zwangsprostitution einzusetzen.

Innerhalb Deutschlands sind während der WM vor allem Hilfsprogramme für die Opfer sowie Sensibilisierungsaktionen für die Freier geplant. So wird die Hilfsorganisation SOLWODI ab dem 1. Mai 2006 für drei Monate einen mehrsprachigen Notruf für die Opfer einrichten. Auch weisen die Initiativen "rote Karte gegen Zwangsprositution" und "abpfiff - Schluss mit Zwangsprosititution" öffentlich auf diese moderne Form der Sklaverei hin. Durch diese Initiative wird versucht, auch bei den Freiern Bewusstsein für das Problem zu schaffen.

Es ist beschämend, dass durch Sportereignisse die Nachfrage nach diesem schmutzigen Geschäft mit Menschenleben steigt. Zwangsprostitution und Menschenhandel sind schwere Menschenrechtsverletzungen und der Preis, den die betroffenen Frauen zahlen müssen, ist hoch. Deshalb ist es richtig und wichtig, ein Weltereignis wie die Fußballweltmeisterschaft dafür zu nutzen, gerade auch auf diese Missstände aufmerksam zu machen.

Haben Sie zu diesem Thema Fragen oder Anregungen? Dann schreiben Sie mir bitte!

Mehr Informationen zu diesem Themenkomplex finden Sie auf folgenden Seiten im Internet:

Link zum Entschließungsantrag des Europäischen Parlaments zu "Zwangsprostitution im Rahmen internationaler Sportereignisse" (Momentan leider nur auf Englisch erhältlich)

http://www.europarl.eu.int/comparl/femm/womensday/2006/600439_en.pdf

Internetseite der Frauenhilfsorganisation SOLWODI

http://www.solwodi.de

Internetseite mit weiterführenden Informationen zur Initiative "abpfiff - Schluss mit Zwangsprostitution"

http://www.bmfsfj.de/Politikbereiche/gleichstellung,did=68646.html

 

 

 

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