März 2006 / 3

Wie viel gemeinsame Energiepolitik braucht Europa?

Die Energiepolitik soll auf europäischer Ebene künftig besser koordiniert, aber nicht bestimmt werden.  Dies ist das Ergebnis, des Gipfeltreffens der europäischen Staats- uns Regierungschefs in dieser Woche in Brüssel.

Vorschläge hierzu finden sich im Grünbuch der Europäischen Kommission zu einer gemeinsamen europäischen Energiestrategie.

Europa hängt noch immer von Energieimporten aus politisch instabilen Regionen ab. Ständig steigende Energiepreise, der Streit zwischen Russland und der Ukraine sowie die politische Entwicklung im Nahen Osten zwingen die Europäische Union, sich der Gretchenfrage zu stellen, wie eine gemeinsame Energiepolitik aussehen könnte.

Um auch in Zukunft sichere Energieversorgung zu bezahlbaren Preisen zu gewährleisten, fordert die Kommission in ihrem Grünbuch einen vielfältigen Energiemix, der auch nachhaltige Energieträger und die Kernenergie mit einschließt. Neben stärkeren Anstrengungen bei der Einsparung von Energie sieht die Kommission schließlich auch Handlungsbedarf bei einer verstärkten energiepolitischen Zusammenarbeit der EU-Staaten. Hier schießt das Grünbuch jedoch mit der Forderung einer zusätzlichen europäischen Regulierung über das Ziel hinaus.  Auch die Frage des Energiemixes muss  weiterhin der Entscheidung jedes einzelnen Mitgliedlandes überlassen werden.

Vielmehr würde es ausreichen, wenn die Kommission die strikten wettbewerbsrechtlichen Bestimmungen im Energiemarkt anwenden und so die notwendige Marktöffnung in den Mitgliedsländern durchsetzen würde. Denn die 25 nationalen Märkte sind zu klein, um sich im globalen Wettbewerb um Energiereserven alleine durchsetzen zu können.  

Der Alltag zeigt, dass Europa noch weit von einem gemeinsamen Binnenmarkt in diesem Sektor entfernt ist. Obwohl es seit mehreren Jahren einen gemeinsamen europäischen Rechtsrahmen für die Liberalisierung von Gas und Strom gibt, sind dessen Vorteile, beispielsweise in Form von Preissenkungen, nicht beim Verbraucher angekommen. Einschränkend muss jedoch gesagt werden, dass die Energieversorger momentan vor hohen Investitionen in die Modernisierung der Netze stehen, die sich im dreistelligen Milliardenbereich bewegen, und daher auf Gewinne angewiesen sind.

Manche Mitgliedstaaten schotten nach wie vor konsequent ihre nationalen Märkte ab. Jüngstes Beispiel ist der spanische Widerstand gegen das Engagement von Eon auf dem spanischen Markt. Frankreich unterläuft den Markteintritt eines großen italienischen Anbieters, in dem es nationalen Fusionslösungen den Vorzug gibt.  

Die einzelnen EU-Mitgliedstaaten - Deutschland inbegriffen, können jedoch, wenn sie mit einer Stimme sprechen, energiepolitische Interessen besser durchsetzen. Ein Energiebinnenmarkt mit über 440 Millionen Verbrauchern stellt ein nicht zu unterschätzendes Potential dar.

Vor dem skizzierten Hintergrund wird deutlich, dass bei manchen Fragestellungen eine verstärkte Zusammenarbeit auf europäischer Ebene zielführend sein kann. Grundsätzliche energiepolitische Fragen, wie der richtige Energiemix, müssen weiterhin national entschieden werden.

Haben Sie zu diesem Thema Fragen oder Anregungen? Dann schreiben Sie mir bitte!

Mehr Informationen zu diesem Themenkomplex finden Sie auf der folgenden Seite im Internet:

Link zum Grünbuch der Kommission über eine gemeinsame europäische Energiestrategie:

http://europa.eu.int/comm/energy/green-paper-energy/doc/2006_03_08_gp_document_de.pdf

 

 

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