November 2006/ 2

Mehr Transparenz bei  der  Vergabe von Fördermitteln im Interesse der Bürger – Neiddebatte muss jedoch vermieden werden

Werden EU-Fördermittel sinnvoll eingesetzt? Diese Frage wird von den Bürgern - zu Recht - oft gestellt.

Um dies beurteilen zu können, ist Transparenz bei der Vergabe von Fördermitteln notwendig. Eine solche Transparenz soll nun geschaffen werden: Das Europäische Parlament und die 25 EU-Mitgliedsstaaten haben sich in dieser Woche grundsätzlich darauf geeinigt, dass ab 2008 alle europäischen Agrarsubventionen sowie Strukturmittel in den Mitgliedstaaten offen gelegt werden müssen. Bislang stand eine entsprechende Handhabung allen 25 EU- Mitgliedstaaten frei.

Im Kern will die so genannte „Europäische Transparenzinitiative“ die generelle Bekanntgabe von Empfängern europäischer Fördermittel. Dabei ist es egal, ob es sich um Fördergelder handelt, die die Kommission direkt vergibt oder ob die Mittel von den EU-Mitgliedstaaten verwaltet werden.

Fördergelder, welche die Kommission bewilligt, wurden bereits im Oktober auf einer Internetseite veröffentlicht. Hier können die Bürger zum Beispiel direkt nachsehen, welche Kulturprogramme oder Städtepartnerschaften auf europäischer Ebene gefördert werden.

Die Transparenzinitiative beschäftigt sich jetzt also vor allem mit dem Teil des EU-Budgets, der von den Mitgliedsstaaten direkt verwaltet wird. Dies macht immerhin zwei Drittel des Gesamtetats aus, also in 2007 rund 90 Mrd. Euro.

Aus diesem Etat werden u. a. die Mittel bereitgestellt für die Landwirtschaft sowie die Strukturmittel, zu denen zum Beispiel Projekte im Rahmen des Europäischen Sozialfonds zur Weiterbildung von Arbeitnehmern zählen. 

Deutschland hat bis jetzt von einer Veröffentlichung abgesehen und zeigte auch in der Debatte um die aktuelle „Europäische Transparenzinitiative“ zunächst Bedenken. Diese richteten sich u. a. gegen den hohen bürokratischen Aufwand.

In der Tat kann es nicht Sinn der Sache sein, dass jeder Kleinstempfänger angegeben werden muss. Vielmehr sollte sich die Veröffentlichung der Daten an bestimmten Schwellenwerten orientieren. Der Aufwand bei der Bekanntgabe der Daten sollte im angemessenen Verhältnis zum Nutzen stehen.

Ob tatsächlich Schwellenwerte vereinbart werden, bei denen erst eine Veröffentlichungspflicht herrscht,  ist momentan noch fraglich. Bayern setzt sich zwar mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln dafür ein. Jedoch befürwortet die Kommission eine "totale" Transparenz und eine Veröffentlichung aller Fördermittelempfänger. Dies jedoch birgt die Gefahr, gerade in der Landwirtschaft, eine Neiddiskussion zu entfachen. Dieser Effekt wäre mehr als kontraproduktiv.

Andererseits kann größtmögliche Transparenz gerade im Agrarsektor auch ein wirkungsvoller Schutz gegen Missbrauch und Mitnahmeeffekte, zumal bei großen Fördersummen, sein. Dies liegt durchaus im Interesse aller Bürger.

Mehr Einblick kann dann natürlich auch mehr Nähe schaffen. Wenn sichtbar und greifbar wird, welche Projekte von der EU – vielleicht sogar in Ihrer Umgebung - mitfinanziert werden, ist die EU somit ganz nah und nicht mehr nur die anonyme Bürokratie in Brüssel. Beispielsweise werden in Oberbayern die meisten Projekte im Bereich der  Arbeitnehmerqualifikation mit Geldern aus EU-Töpfen bezuschusst. 

Im Ergebnis ist die Transparenzinitiative zu begrüßen. Auch die Mitgliedstaaten sollen nun die Vergabe der von ihr verwalteten Mittel offen legen. Grünes Licht für mehr Transparenz!.

Haben Sie zu diesem Thema Fragen oder Anregungen? Dann schreiben Sie mir bitte!

Mehr Informationen zu diesem Themenkomplex finden Sie auf folgenden Seiten im Internet:

Link der Kommission zur Auflistung der Empfänger von Finanzhilfen:

http://ec.europa.eu/grants/beneficiaries_de.htm

Link zum Grünbuch der Kommission zur "Europäischen Transparenzinitiative":

http://ec.europa.eu/comm/eti/docs/gp_de.pdf#search=%22GR%C3%9CNBUCH %20europ%C3%A4ische%20Transparenzinitiative%20194%22

 

 

 

Impressum

Herausgeberin:
Dr. Angelika Niebler, MdEP

 

Bürgerbüro:
CSU-Kreisgeschäftsstelle
Münchener Straße 2
85560 Ebersberg
Telefon: (08092) 86 57 70
Telefax: (08092) 25 69 20

 

E-Mail: info@angelika-niebler.de
Internet:
www.angelika-niebler.de