Januar 2007/ 1

Angela Merkel wirbt für Europa und seine Verfassung - Bundeskanzlerin stellt dem Europäischen Parlament ihr Programm zur Ratspräsidentschaft vor

Mit einer zeitweilig sehr persönlichen Rede hat Bundeskanzlerin Angela Merkel in dieser Woche das Europäische Parlament auf die halbjährige EU-Ratspräsidentschaft Deutschlands eingestimmt und sich dabei für den Verfassungsprozess stark gemacht. Ihr erklärtes Ziel ist es, die Arbeit am Verfassungsvertrag so voranzutreiben, dass sie möglichst noch vor den nächsten Europawahlen im Juni 2009 zu einem erfolgreichen Abschluss geführt wird.

Zu Recht hat es die Bundeskanzlerin angesichts dieser ehrgeizigen Zielsetzung vermieden, die Erwartungen in Straßburg zu überziehen. Bis zum Sommer soll zunächst der Fahrplan über den weiteren Prozess des Verfassungsvertrages stehen. Das weitere Arbeitsprogramm stimmt Deutschland gegenwärtig mit den Regierungen der beiden Länder ab, die anschließend die Ratspräsidentschaft übernehmen, nämlich Portugal und Slowenien.

Angesichts der Fülle der noch ungelösten inhaltlichen Fragen appellierte die Bundeskanzlerin an die Europaabgeordneten, anstehenden Verfassungsprozess aktiv mitzugestalten.

Gerade die stärkere Einbeziehung der  Parlamentarier als Volksvertreter könnte ein wichtiger Beitrag sein, die nicht nur im Zusammenhang mit dem Verfassungsvertrag aufgekommene Skepsis der Bürger abzubauen.

Auch mit ihrer klaren Absage an zusätzliche Erweiterungen der EU traf Angela Merkel nicht nur den Nerv vieler Parlamentarier, sondern auch der Bürger.

In der Tat hat die  EU ihr Erweiterungslimit deutlich erreicht. Eine Erweiterungspause ist auch angesichts des Verfassungsprozesses geboten. Erst wenn der institutionelle Regelungsrahmen und die Zuständigkeiten zwischen den Mitgliedstaaten und der EU klar festgelegt sind, kann über eine mögliche weitere Erweiterung nachgedacht werden.  Aber auch bei den nun 27 Mitgliedstaaten ist eine institutionelle Reform dringend notwendig. Entscheidungsprozesse müssen an die erhöhte Zahl der EU-Mitglieder angepasst werden.

Schließlich soll unter deutscher Ratspräsidentschaft auch das Thema  Bürokratieabbau verstärkt angegangen werden.

Besondere Aufmerksamkeit erhielt die Bundeskanzlerin für den Teil ihrer Rede, in der sie auf ihre persönliche Biographie als Ostdeutsche einging. Sie verknüpfte damit ein Bekenntnis zu den Grundlagen der Europäischen Union wie Vielfalt, Vertrauen und Toleranz, die sie als Seele Europas bezeichnete.  Gerade mit dieser Passage hat Angela Merkel eine nicht zu vernachlässigende Komponente angesprochen, die viele Bürger und auch die Abgeordneten bewegt. Denn es geht auch um die ideelle Kraft, die hinter dem Europäischen Gedanken steht. Insofern kann die Antwort auf die Frage, wofür Europa steht, für die Identifikation und den Einigungsprozess äußerst sinnstiftend wirken.

Die Kanzlerin hat mit ihrem Blick auf die Wurzeln der Europäischen Union  auch einen wichtigen psychologischen Hinweis geliefert, der die Arbeit in den Europäischen Institutionen von der bürokratischen Detailverliebtheit auf das Wesentliche zurückführen könnte. Der Bundeskanzlerin ist als "Ratspräsidentin" Europas ein guter Auftakt gelungen!

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Mehr Informationen zu diesem Themenkomplex finden Sie auf folgenden Seiten im Internet

Link zur Rede von Bundeskanzlerin Angela Merkel vor dem europäischen Parlament in Straßburg:

http://www.eu2007.de/de/News/Speeches_Interviews/January/Rede_Bundeskanzlerin2.html

 

 

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