Januar 2007/ 2

Energiepolitik strategisch gedacht – Deutsche Ratspräsidentschaft und Kommission setzen auf umfassendes Maßnahmenpaket

Die Dringlichkeit für ein neues europäisches Energiekonzept war in den vergangenen Wochen mit Händen zu greifen: Als die Europäische Kommission ihr Strategiepapier zur Energiepolitik Mitte Januar veröffentlichte, fand gerade der Ölstreit zwischen Moskau und Weissrußland ein vorerst friedliches Ende. Nach dem Erdgasstreit mit der Ukraine ist dies bereits die zweite Auseinandersetzung, in der Russland seinen Einfluss als Hauptlieferat von Energie deutlich gemacht hat und seine Muskeln hat spielen lassen.

Aber es ist nicht nur die massive Abhängigkeit von einigen wenigen Energielieferanten, die europäisches Handeln notwendig macht. Letztlich ist eine neue Energiepolitik vor allem angesichts des Klimawandels und der massiven Veränderungen im globalen Wettbewerb unverzichtbar.

Nach dem Strategiepapier der Europäischen Kommission zur Energiepolitik hat jetzt auch die deutsche Bundesregierung noch einmal den Fokus auf die  Neugestaltung der europäischen Energiepolitik gelegt und will diesem Thema in den kommenden sechs Monaten ihrer EU-Ratspräsidenschaft höchste Priorität einräumen.   

So haben in dieser Woche Bundeswirtschaftsminister Michael Glos und Bundesumweltminister Siegmar Gabriel das Programm der deutschen Ratspräsidentschaft vor den Fachausschüssen des Europäischen Parlaments in Brüssel vorgestellt. Beide Minister machten anhand der geplanten Maßnahmen klar, wie ernst die deutsche Ratspräsidentschaft das Thema nimmt.

Es darf schon jetzt als herausragende Leistung der Bundesregierung betrachtet werden, dass unter ihrer Ratspräsidentschaft die Europäische Kommission erstmals ein integriertes Gesamtpaket für eine gemeinsame, zukunftsweisende europäische Energiepolitik vorgelegt hat. Sie setzt auf ein Maßnahmenbündel, das sich auf verschiedene Säulen stützt. Neben der Verbesserung der Energieeffizienz, beispielsweise bei Kraftfahrzeugen und bei Gebäuden, geht es unter anderem auch um die verstärkte Nutzung erneuerbarer Energiequellen. Im Zentrum steht dabei der ausgewogene Energiemix, der die Abhängigkeit von Energieimporten reduzieren soll.   

Für viele überraschend war sicherlich, mit welcher Eindeutigkeit die Kommission in ihrem Papier eine weitere Nutzung der Kernenergie als festen Bestandteil dieses Energiemix sieht. Aus bayerischer Sicht ist diese Stellungnahme jedoch eine klare Bestätigung unseres energiepolitischen Kurses.

 Die Atomenergie ist aus Brüsseler Sicht im Gegensatz zu Gas, Erdöl oder Kohle weniger anfällig für Preisschwankungen und auch umweltschädlich. Außerdem seien die Uranvorräte in der Welt gleichmäßig verteilt und würden nicht von einzelnen Staaten kontrolliert. Zwar stellt die Kommission in ihrem Strategiepapier gleichermaßen klar, dass sie den Mitgliedsländern in dieser Frage keine Vorgaben machen könne. Doch diese Stellungnahme kann sich als ein wichtiger Impuls erweisen und der aktuellen Diskussion in Deutschland eine neue Richtung geben.

Innerhalb der Bundesregierung ist bislang zu diesem Thema noch keine Einigung in Sicht.  Es wird sich aber zeigen, ob an dem unter Rot-Grün beschlossenen Atomausstieg festgehalten wird oder ein tragfähiger Energiemix nicht schlussendlich Atomstrom einschließen muss. Wichtig ist, dass diese Diskussion endlich entideologisiert geführt wird.

In ihrem Strategiepapier zur Energiepolitik spricht sich die EU-Kommission außerdem für eine stärkere Regulierung des Energiemarktes aus und fordert die Mitgliedsländer auf, eine eigentumsrechtliche Trennung von Produktion und Netzbetrieb in der Energiewirtschaft herzustellen. Dieser Vorschlag stößt zu Recht auf massiven Widerstand. Fraglos zeigt die Entwicklung des Strom- und Gasmarktes, dass hier mehr Wettbewerb notwendig ist. Ob mit einem Verkauf der Netze der großen Versorger das Problem zu lösen ist, ist allerdings kritisch zu hinterfragen.

In Deutschland hat die Bundesnetzagentur, die den Wettbewerb auf dem Energiemarkt fördern soll,  erst im August 2005 ihre Arbeit aufgenommen. Noch braucht sie Zeit, ihre ehrgeizige Agenda abzuarbeiten. Erst dann kann man sehen, ob weiterer Handlungsbedarf besteht. 

Das Thema Energie wird beim Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs der 27 EU-Mitgliedsstaaten im März eine entscheidende Rolle spielen. Unter Leitung der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel wird es dann bis den Staats- und Regierungschefs liegen zu entscheiden, ob der Wettbewerb auf dem Energiemarkt intensiviert und damit günstigere Preise und ein verbessertes Angebot für die Verbraucher geschaffen werden kann.

Das nun vorgestellte Papier wird dabei als Diskussionsgrundlage dienen. Auch wenn es in einzelnen Punkten nicht nur Zustimmung finden wird, ist es doch ein wichtiges Signal, das die EU damit setzt.  Dies ist nicht nur ein Beitrag zur Stärkung der Binnenpolitik, sondern weist auch deutlich eine globale Perspektive aus. Europa kann in der Frage einer neu gestalteten Energiepolitik eine Vorreiterrolle in der Welt übernehmen.

Haben Sie zu diesem Thema Fragen oder Anregungen? Dann schreiben Sie mir bitte!

Mehr Informationen zu diesem Themenkomplex finden Sie auf folgenden Seiten im Internet:

Link zum  Strategiepapier der Kommission zur Energiepolitik in Europa:

http://ec.europa.eu/energy/green-paper-energy/doc/2006_03_08_gp_document_de.pdf

Link zur Internetseite der deutschen EU-Ratspräsidentschaft zum Thema Energie:

http://www.eu2007.de/de/Policy_Areas/Transport_Telecommunications_and_Energy/Energy.html

 

 

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