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April 2007/ 2 |
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Beitrittsverhandlungen mit der Türkei: Keine finanzielle Förderung ohne politische
Reformen Die
EU-Beitrittsverhandlungen mit der Türkei verlaufen schleppend. In den einigen
Kernfragen wie der Menschenrechtssituation hat es kaum Verbesserungen
gegeben, in der Zypernfrage zeigt sich Ankara gegenüber der EU weiterhin kompromisslos.
Das
sorgt in den Reihen des Europäischen Parlaments zunehmend für Unwillen, zumal
auf der anderen Seite erhebliche finanzielle Vorleistungen der Europäischen
Union an die Türkei im Raume stehen. Denn bereits
während laufender Verhandlungen stehen den Beitrittskandidaten Mittel aus den
europäischen Strukturfonds zu. Bei einem so großen Land wie der Türkei, das
nur knapp 30 Prozent des Bruttoinlandsprodukts der EU-25 erwirtschaftet, ist
dies eine nicht zu unterschätzende finanzielle Bürde für die Gemeinschaft. Das
Europäische Parlament hat deshalb in dieser Woche mit breiter Mehrheit einen
Bericht zur Zukunft der europäischen Strukturpolitik verabschiedet, der sich
genau dieser Problematik annimmt. Zu den
wichtigsten Forderungen der Parlamentarier gehört, dass Fördergelder für EU-Kandidatenländer
künftig nur fließen, wenn es die politischen Fortschritte dort zulassen. Auch
sollen künftige Erweiterungen nicht zu Lasten bisheriger Förderregionen gehen
dürfen. Das Parlament besteht ferner darauf, dass zu jedem Stand der Verhandlungen
klar sein muss, welche Kosten die EU im Falle der Erweiterungen zu tragen
hätte. Das Signal der Europaabgeordneten ist eindeutig: Ein "Weiter-so" kann es in der europäischen Erweiterungspolitik nicht geben. Dass
die Aufnahmekapazität der EU an ihre Grenze stößt, belegt ein eindrucksvolles
Rechenbeispiel in dem Berichts. So müssten im
Förderzeitraum 2007 bis 2013 für die Neu-Mitglieder Bulgarien und Rumänien,
die Kandidatenländer Türkei, Kroatien und die fünf Staaten des Westbalkans
nach heutigen Maßstäben etwa 150 Milliarden Euro zusätzlich für die
Strukturförderung aufgebracht werden. Etwa zwei Drittel dieser Summe ginge
allein an die Türkei. Diese Zahlen würden sich ab 2014 sogar noch deutlich
erhöhen. Deshalb
forderten die Abgeordneten insbesondere für die Türkei ein abgestuftes
Vorgehen. Statt der bislang praktizierten flächendeckenden Regionalförderung
für die ärmsten Regionen, müssten in der Türkei zunächst regionale und
wirtschaftliche Wachstumspole gefördert werden, die das Land auf ein
wirtschaftlich höheres Niveau bringen. Ein anderes Vorgehen kann sich die Europäische
Union bei einem so armen und vor allem so großen Land wie der Türkei nicht
leisten. Die
Regionalförderung soll zudem nach dem Willen der Abgeordneten mit einem
europäischen Wertetransfer, etwa in Gleichstellungs- und Minderheitenfragen, verbunden
werden. Dieses
Stufenkonzept ließe sich in Abhängigkeit vom Fortschritt der politischen Reformen
der Türkei und der europäischen Aufnahmekapazität erweitern. Dies ist ein deutliches
Zeichen an die Türkei: Politische Reformen und finanzielle Förderung stehen
in einem inneren Zusammenhang. Hier hat die EU eine demokratische Verantwortung
und eine Verpflichtung gegenüber ihren Bürgerinnen und Bürgern. Haben
Sie zu diesem Thema Fragen oder Anregungen? Dann schreiben Sie mir bitte! Mehr
Informationen zu diesem Themenkomplex finden Sie auf folgenden Seiten im Internet: Link zum Bericht des
Europäischen Parlaments zu den Konsequenzen weiterer Erweiterungen für die
europäische Regionalförderung: |
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