September 2007/ 2

Galileo vor Neustart-Kommission legt umstrittenen Finanzierungsvorschlag vor - Ziehen deutsche Unternehmen den Kürzern?

Galileo, die europäische Antwort auf das amerikanische Satellitennavigationssystem GPS, soll nach dem Willen der Europäischen Kommission künftig vollständig aus Mitteln der EU finanziert werden. Das geht aus dem neuesten Konzept hervor, das die Kommission in dieser Woche vorgelegt hat.

Galileo dient der punktgenauen Positionsbestimmung auf der Erdoberfläche. Zu diesem Zweck sollen bis 2013 30 Satelliten in Erdumlaufbahnen positioniert werden. Das Hauptkontrollzentrum wird im oberbayerischen Oberpfaffenhofen liegen.

Das Navigationssystem erlaubt eine Vielzahl von neuen Anwendungen, die über die bereits bestehenden Angebote hinausgehen. So kann das System zur Steuerung im Luft- und Straßenverkehr, der Koordination von Rettungseinsätzen und der Beobachtung von Umweltschäden eingesetzt werden. Aufgrund der hohen Satellitenzahl erlaubt Galileo eine noch genauere Positionsbestimmung als das amerikanische GPS-System. Ein weiterer Vorteil gegenüber GPS ist die uneingeschränkte Verfügbarkeit  in  Krisenzeiten. 

Galileo hat eine lange und wechselvolle Geschichte. Ursprünglich war die Finanzierung im Wege einer Partnerschaft zwischen der Industrie und öffentlicher Hand geplant. Nachdem das einzig verbleibende Industriekonsortium Anfang des Jahres seinen Rückzug angekündigt hatte, stand das ambitionierte Projekt vor dem Aus.

Angesichts der strategischen Bedeutung von Galileo hat sich die Europäische Kommission nun entschieden, das Projekt mit eigenen Mitteln durchzuführen. Der zuständige französische Verkehrskommissar Jacques Barrot schlägt für die Durchführung eine völlige Neuausschreibung der Boden- und Raumfahrtelemente von Galileo vor. Insgesamt soll Galileo die EU bis 2013  3,4 Milliarden Euro kosten. Die Zeit drängt: Die USA sind im Begriff, ihr GPS-System zu überarbeiten. Zudem entwickeln China und Russland eigenständige Systeme. 

Der Kommissionsvorschlag stößt im Europäischen Parlament auf ein geteiltes Echo. Positiv ist zu werten, dass Europa an dem Projekt festhält. Immer mehr Anwendungen setzen ein funktionsfähiges Navigationssystem voraus. Galileo hat daher enorme Zugkraft für die technologische Entwicklung auf einem Zukunftsmarkt, der nicht allein Anbietern außerhalb Europas überlassen werden darf.

Aus standortpolitischer Sicht sind jedoch Zweifel an der geplanten Neuausschreibung berechtigt. Vor allem die deutschen Unternehmen könnten dabei unter dem Strich das Nachsehen haben. Bislang hatten sich die Industriepartner auf eine ca. 30% deutsche Beteiligung geeinigt. Dies ist nun nicht mehr gesichert. Wenn Deutschland über die EU-Kasse ein Viertel des Galileo-Budgets bezahlt, am Ende aber fast nur Unternehmen aus Frankreich zum Zuge kämen, wäre das inakzeptabel. Hier sind Korrekturen über die Mitgliedstaaten und das Europäische Parlament zwingend notwendig.

Haben Sie zu diesem Thema Fragen oder Anregungen? Dann schreiben Sie mir bitte!

Mehr Informationen zu diesem Themenkomplex finden Sie auf folgenden Seiten im Internet:

Hintergrundinformationen finden sich auf der Homepage der Europäischen Kommission:

http://ec.europa.eu/dgs/energy_transport/galileo/index_de.htm

Ferner auch auf der Homepage des Bundesverkehrsministeriums

http://www.bmvbs.de/Verkehr/Integrierte-Verkehrspolitik-,1415/Galileo.htm

Vor allem technische Details finden Sie auf der Homepage der Europäischen Raumfahrtagentur

http://www.esa.int/esaNA/galileo.html

 

 

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