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November 2007/ 2 |
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Ungenügende Antworten bei Anhörung
zum Europäischen Energiebinnenmarkt: Kommission nach Hause geschickt "Das
ist keine Antwort auf unsere Fragen." Mit diesen Worten schickte die
Vorsitzende des Industrieausschusses im Europäischen Parlament, Angelika
Niebler, die verdutzten Kommissionsbeamten bei einer Anhörung zur
Energiepolitik der Europäischen Union wieder nach Hause. Was
war geschehen? Die Kommission hat kürzlich ein
Gesetzgebungspaket zur Liberalisierung des europäischen Binnenmarkts im
Energiebereich veröffentlicht. Ziel der neuen Gesetzgebung soll sein,
einen verstärkten Wettbewerb, mehr Investitionen, Versorgungssicherheit und
geringere Preise auf dem europäischen Energiemarkt zu etablieren. Die
Ziele der Kommission sind dabei mehr als richtig. Der manchmal fast
unverschämt anmutende Abzocke der großen Energieunternehmen muss unter
anderem durch mehr Wettbewerb Einhalt geboten werden. Auch ist es wichtig,
die ausreichenden Investitionen in die Strom- und Gasnetze aufrecht zu
erhalten, um allen Bürgen Versorgungssicherheit zu garantieren. Um
diese Ziele zu erreichen, hat die Kommission unter anderem vorgeschlagen, die
Übertragungsnetze für Strom und Gas von der Energieerzeugung
eigentumsrechtlich zu trennen. Begründet hat sie diesen Schritt im
Wesentlichen mit einer im Vorfeld durchgeführten Analyse des
Energiemarktes und der Auswirkungen bereits bestehender nationaler
Gesetzgebung. Im
Zuge einer Anhörung im federführenden Industrieausschuss wurde in dieser
Woche die Analyse der Kommission unter die Lupe genommen. Die Abgeordneten
stellten mit Blick auf das verwendete Datenmaterial und die Methodik der
Kommission sehr kritische Fragen. Zum Erstaunen der Anwesenden blieben die
meisten Fragen jedoch unbeantwortet, so dass die Ausschussvorsitzende die
Notbremse zog und die Vertreter der Kommission wieder nach Hause
schickte. Der
Auftritt der Kommission verstärkte den bestehenden Eindruck, dass die Analyse
des Energiemarktes, die die Kommission vorgelegt hat und das zugrunde
liegende Datenmaterial nicht seriös sind. Damit werden die
Schlussfolgerungen, auf denen das gesamte Gesetzespaket beruht,
letztlich in Frage gestellt. So
wurde bei den Vergleichsdaten zur Preisberechung nicht berücksichtigt, dass in den einzelnen
Mitgliedstaaten unterschiedlich hohe Abgaben und Steuern auf Strom und Gas zu
zahlen sind. Viele Mitgliedstaaten kennen keine Ökosteuer wie in Deutschland,
die für unsere hohen Strompreise mitverantwortlich ist. Bereinigt man die
Endpreise, so schneidet Deutschland weit weniger schlecht ab. Ferner konnten
die Kommissionsbeamten in der Anhörung für ihre Behauptung, dass eine
eigentumsrechtliche Entflechtung zu sinkenden Preisen im Energiebinnenmarkt
führt, keine belastbaren Beweise beibringen. Im
Gegenteil: In Mitgliedstaaten wie zum Beispiel England, in denen die Netze
verkauft wurden, liegt das Preisniveau über dem in Deutschland. Auch nimmt
die Marktkonzentration durch eine Trennung von Netz und Erzeugung nicht
automatisch ab. Dies zeigen die Bespiele aus Spanien, Finnland und Schweden. Gerade
für Deutschland bedeutet eine eigentumsrechtliche Trennung von Netzen und
Energieerzeugern einen schwerwiegenden Schritt, da wir als einziger EU-Mitgliedstaat
vollkommen privatisierte Energieunternehmen mit integrierten Netzen besitzen.
England
beispielsweise hat bereits bei der Privatisierung seines Energiemarktes 1990
die Netze von den Erzeugern getrennt. Die französischen Energieunternehmen
befinden sich noch gänzlich in Staatsbesitz, so dass Frankreich die
verschiedenen Unternehmensbereiche lediglich zwei unterschiedlichen
Ministerien zuordnen müsste. Deutschland
dagegen steht vor dem Problem, dass nicht vorherzusehen ist, wer die Netze
der Unternehmen letztendlich kauft. So könnten dies
Kapitalinvestoren aus dem Ausland sein, die lediglich ihren Profit maximieren
möchten. Investitionen in die Netze sind dann nicht garantiert. Auch ist im
Hinblick auf die Versorgungssicherheit der Bevölkerung fraglich, ob man eine
so wichtige strategische Ressource wie die Stromversorgung der Bevölkerung
aus der Hand geben und gegebenenfalls außereuropäischen Investoren überlassen
möchte. Nun
soll der zuständige Energiekommissar Andris Piebalgs in den Ausschuss eingeladen werden, da gerade
nach dieser Anhörung mehr denn je großer Klärungsbedarf herrscht. Haben
Sie zu diesem Thema Fragen oder Anregungen? Dann schreiben Sie mir bitte! Mehr
Informationen zu diesem Themenkomplex finden Sie auf folgenden Seiten im Internet: Link zur Analyse des europäischen
Energiemarktes der EU-Kommission (leider nur auf Englisch): http://ec.europa.eu/energy/electricity/package_2007/doc/2007_09_19_impact_assessment_en.pdf |
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Herausgeberin: Bürgerbüro: E-Mail: info@angelika-niebler.de |
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