Februar 2008/ 1

Das Weltraumlabor Columbus - ein Meilenstein für die europäische Forschung

 

"München, bitte kommen", schallt es durch den Weltraum. Seit Mittwoch funken die Astronauten der Internationalen Raumstation ISS nicht nur Houston an, sondern immer häufiger auch die bayerische Landeshauptstadt. Geographisch ist das nicht ganz korrekt, denn das Kontrollzentrum des europäischen Weltraumlabors Columbus, das in dieser Woche an die ISS angedockt wurde, befindet sich im oberbayerischen Oberpfaffenhofen. Die 5.100 Seelen-Gemeinde liegt etwa 30 Kilometer südwestlich von München. Man hat sich dennoch auf den Namen München geeinigt. Oberpfaffenhofen konnten die Amerikaner nicht aussprechen.

 

Sprachliche Barrieren sollten beim Transport des Columbus-Moduls zur ISS mit der NASA-Raumfähre Atlantis aber keine Rolle spielen. Nach erfolgreichem Start am 7. Februar 2008 wurde das europäische Weltraumlabor von einem riesigen Roboterarm aus der Raumfähre gehoben und an seinen Platz an der Raumstation ISS montiert. Dort soll es in den nächsten zehn Jahren für mehrere tausend wissenschaftliche Experimente zur Verfügung stehen. Die Koordinierung der Untersuchungen von Forschungszentren in ganz Europa übernehmen 75 Wissenschaftler und Ingenieure des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt in Oberpfaffenhofen.

 

Mit einer Beteiligung von 41 Prozent ist Deutschland größter Teilhaber an dem Projekt, das dennoch durch und durch europäisch ist. Unter Federführung des deutsch-französischen Unternehmens EADS Astrium waren insgesamt 41 Unternehmen aus 14 europäischen Ländern an dem Bau des 12,7 Tonnen schweren und acht Meter langen Labors beteiligt. Auftraggeber war die Europäische Weltraumbehörde ESA, die das Columbus-Programm bereits Mitte der 80er Jahre ins Leben gerufen hatte.

 

Ursprünglich hätte Columbus bereits vor knapp drei Jahren zur ISS gebracht werden sollen, doch 2003 hatten die USA alle Shuttle-Starts gestoppt, nachdem die Raumfähre Columbia abgestürzt war. Zuletzt wurde ein Starttermin im Dezember 2007 wegen Problemen mit einer Steckerverbindung im Außentank abgesagt. Noch am Starttag selbst, dem 7. Februar, blieb bis zur letzten Minute ungewiss, ob nicht das Wetter einen weiteren Aufschub erzwingen würde.

 

Doch die ESA hatte Glück. Mit dem Andocken des Labors an die internationale Raumstation beginnt Europas ständige Präsenz auf der ISS - ein Meilenstein für die europäische Forschung. Columbus ermöglicht medizinische Experimente, die sich mit der Herz- und Lungenaktivität, der Entkalkung der Knochen oder der Funktionsweise der Nerven befassen. Erwartet werden Erkenntnisse für die Therapie verschiedener Krankheiten. In einem materialwissenschaftlichen Mini-Labor soll darüber hinaus industrienahe Forschung betrieben werden, die vor allem für die Automobil- und Flugzeugindustrie von Bedeutung sein wird. So hat etwa der Aluminiumrahmen des Audi A8, der so genannte Space Frame, seinen Ursprung im All. Der Rahmen aus dem Leichtmetall Aluminium ermöglicht einen geringeren Benzinverbrauch bei Autos. Auf ähnliche Innovationen darf gehofft werden.

 

An den Außenwänden des Moduls sollen Kameras und Messinstrumente installiert werden, mit denen z. B. die Luft- und Wasserverschmutzung der Erde überwacht werden kann. Dort ist auch Platz für Materialproben, die für Tests zur Schwerelosigkeit, Vakuum, Strahlung und Temperaturschwankungen der Weltraum-Umgebung ausgesetzt werden sollen. Auch Bakterien-Sporen will man den kosmischen Umwelt-Bedingungen aussetzen, um zu ergründen, ob Lebenssporen unbeschadet durch den interplanetaren Raum reisen und damit Leben im All verbreiten können.

 

Ganz einfach war der Weg dorthin aber nicht. Nationale Eitelkeiten, Verteilungskämpfe und Abstimmungsprobleme haben die Umsetzung des Projekts erschwert. Doch die Europäer können stolz sein: Trotz aller Hürden und Hahnenkämpfe ist Columbus in Betrieb genommen werden. So schwierig sich die Zusammenarbeit in der EU also manchmal auch gestaltet - sie ist möglich und am Ende fast immer erfolgreich. Das nährt die Hoffnung, dass nun vielleicht auch das geplante Satellitennavigationssystem Galileo rechtzeitig fertig wird.

 

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Mehr Informationen zu diesem Themenkomplex finden Sie auf folgender Seite im Internet:

Link zur Homepage der Europäischen Weltraumbehörde ESA:

 

http://www.esa.int/esaCP/Germany.html

 

Link zur Homepage des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt:

 

http://www.dlr.de

 

 

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