|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
||
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
April 2008/2 |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
Das Warten auf die nächste Generation - Hoffnungsträger Biosprit "Pack
die Rübe in den Tank." Diese Variante des bekannten Werbeslogans beschreibt
treffend den Trend der vergangenen Jahre, Biodiesel oder Bioethanol anstelle
von herkömmlichem Kraftstoff zu tanken. Nicht nur das grüne Gewissen, auch
die geringere Belastung für den Geldbeutel veranlassen viele Menschen zum
Umstieg auf den scheinbar umweltfreundlichen Treibstoff aus Getreide,
Zuckerrüben, Palmöl oder Rapssamen. Noch im Januar dieses Jahres bestätigte
der Europäische Rat sein Ziel, den Anteil der Biokraftstoffe im Verkehr bis 2020
auf mindestens 10 Prozent zu erhöhen - ein Schnellschuss, wie sich jetzt
herausstellt. Als
erster musste in diesem Monat Deutschlands Umweltminister Sigmar
Gabriel die Notbremse ziehen. Weit mehr als drei Millionen Fahrzeuge
vertragen die höhere Beimischung von Ethanol zum Benzin nicht. Doch die
derzeit auf dem Markt erhältlichen Biokraftstoffe wie Biodiesel und
Bioethanol sind noch aus einem anderen Grund in die Kritik geraten:
Schätzungen zufolge sind 30 bis 70 Prozent der aktuellen Preiserhöhungen im
Lebensmittelsektor auf verstärkten Anbau und Verwendung von Pflanzen zur
Herstellung von Kraftstoffen zurückzuführen. Der Einsatz von Biomasse im
Verkehr hat seine Tücken, obwohl die Lösung zum Kampf gegen den Klimawandel
eigentlich simpel scheint: Im Prinzip sind Biokraftstoffe kohlenstoffneutral.
Das bedeutet, dass bei der Verbrennung von Biokraftstoffen nicht mehr CO2
produziert wird, als die Pflanzen während ihres Wachstums aufgenommen haben. Für
den Klimaschutz könnte der Ersatz von Erdöl durch pflanzliche Öle im Verkehr
Gold wert sein - vorausgesetzt, diese Rechnung ginge tatsächlich auf. Bei
der Produktion von Biokraftstoffen taucht aber das Problem auf, dass sie mit
der Landnutzung für den Anbau von Getreide und Tiernahrung in Konkurrenz
stehen und besonders in Schwellen- und Entwicklungsländern Wälder,
Feuchtgebiete und Reservate in Anbauflächen umgewandelt werden um mehr
Getreide und Sojabohnen anzubauen. Wenn der Preis dafür drohende Hungerkrisen
durch steigende Lebensmittelpreise, die Abholzung von Regenwäldern und die
Zerstörung der Artenvielfalt ist, darf das 10%-Ziel der Europäischen Union
nicht oberste Priorität haben. Das
Europäische Parlament fordert deshalb im Rahmen eines "integrierten
Ansatzes" die Ausschöpfung weiterer Reduktionspotenziale im
Verkehrssektor, etwa bei der Zulieferindustrie wie Reifenherstellern oder
Getriebeproduzenten. Ebenso kann jeder einzelne von uns durch einen sparsamen
Fahrstil zur Einsparung von Kohlendioxid-Emissionen beitragen. In einem Mitte
dieses Jahres erwarteten Gesetzesvorschlag sollen diese Begleitmaßnahmen zu den technischen
Neuerungen im Motorenbereich, die so genannten "Eco-Innovations",
festgelegt werden. Dass
Biokraftstoffe derzeit noch nicht das Mittel der Wahl zur CO2-Reduktion im
Verkehr sind, heißt allerdings nicht, dass die Idee komplett verworfen werden
sollte. Zu Recht hält die EU an ihrem Ziel fest, denn Biokraftstoffe haben
großes Potential - allerdings wird dies wohl erst in ein paar Jahren voll
ausgeschöpft werden können. Frühestens 2015 soll die Technologie ausgereift
sein, um Treibstoffe aus Abfallmaterialien wie Stroh, Nutzholz,
Holzhackschnitzeln, Klärschlamm oder Dünger zu erzeugen. Diese so genannten
Biokraftstoffe der zweiten Generation weisen eine weit bessere Ökobilanz auf
als die aktuell gehandelten Biodiesel und Bioethanole.
Bis sie
allerdings marktfähig sind, wird noch einige Zeit vergehen. Bis dahin müssen
wir strenge Nachhaltigkeitskriterien für Biokraftstoffe befolgen und
vorsichtig bei der Formulierung von Zielen bei Biokraftstoffanteilen sein. Haben Sie zu
diesem Thema Fragen oder Anregungen? Dann schreiben Sie mir bitte! Mehr
Informationen zu diesem Themenkomplex finden Sie auf folgenden Seiten im
Internet: Link zum Richtlinienvorschlag
zur Förderung von Energien aus erneuerbaren Quellen: http://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/LexUriServ.do?uri=COM:2008:0019:FIN:DE:PDF Link zum Text der Biokraftstoffrichtline: http://ec.europa.eu/energy/res/legislation/doc/biofuels/de_final.pdf Link zur Studie des Europäischen
Parlaments "Alternative Technology Options for Road and Air Transport" (englisch): http://www.europarl.europa.eu/stoa/publications/studies/stoa179_en.pdf |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
Impressum |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
Herausgeberin: Bürgerbüro: E-Mail: info@angelika-niebler.de |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|