Januar 2009/1

 

Gasstreit zwischen Russland und Ukraine macht deutlich: EU braucht gemeinsame Energie-Strategie

 

Wenn zwei sich streiten freut sich bekanntlich der Dritte. Doch den Europäern ist im Moment so gar nicht zum Lachen zumute. Ausgerechnet im bislang kältesten Winter dieses Jahrhunderts fließt seit Mittwoch kein russisches Gas mehr durch ukrainische Pipelines nach Europa. Angesichts des Lieferstopps froren bereits Zehntausende in Südosteuropa in kalten Wohnungen. Unter anderem Österreich, Italien, Serbien, Ungarn, Bulgarien, Griechenland, Tschechien und Rumänien meldeten den Totalausfall russischer Gasimporte. In Serbien saßen viele Menschen zum orthodoxen Weihnachtsfest bibbernd in ihren Wohnungen.

 

Auch in Deutschland wäre nach Angaben von E.ON Ruhrgas und der Verbundnetz Gas AG bei weiterhin ausbleibenden Lieferungen fast jeder zweite Hauhalt in Deutschland betroffen. Der Konflikt bedroht mehr als 20 Millionen deutsche Haushalte mit Gasheizungen sowie Teile der Stromversorgung und Fernwärmeerzeugung. Doch noch gibt es genug Reserven. Hält der Konflikt jedoch über mehrere Wochen an, wird es auch für Deutschland brenzlig. Die EU importiert 42 Prozent ihres Gases aus Russland, 80 Prozent davon fließen durch die Ukraine. Deutschland selbst ist zu 43 Prozent von Gasimporten aus Russland abhängig.

 

Wer ist schuld an der Eskalation? Russland und die Ukraine schieben sich gegenseitig die Schuld in die Schuhe. Russlands Monopolist Gazprom wirft der Ukraine vor, Gas zu stehlen, und pumpt deshalb drastisch weniger in die Pipelines. Kiew bestreitet den Diebstahl. Auf Vorschlag der EU wollen Russland und die Ukraine deshalb neutrale Experten zur Klärung der Lieferblockade zulassen.

 

Doch dass die Experten die Wahrheit tatsächlich ans Licht bringen können scheint unwahrscheinlich. Denn keine der beiden Seiten wird mit offenen Karten spielen. Die Einzelheiten der Gaslieferungs- und Transitverträge zwischen den beiden Staaten sind geheim. Der Europäischen Union kommt als Vermittlerin eine schwierige Rolle zu - gerade auch aufgrund der eigenen Betroffenheit. Wichtig ist nun, Druck auf Russland und die Ukraine auszuüben, den Streit so schnell wie möglich beizulegen. Gerade gegenüber Russland muss die EU zudem darauf drängen, endlich den Vertrag über die Energiecharta zu ratifizieren, die die Prinzipien der internationalen Energiebeziehungen festlegt. Ein internationales Schiedsgericht würde dann zwischen den streitenden Parteien schlichten.

 

Die Krise stellt die EU vor zwei weitere Herausforderungen: Erstens müssen die europäischen Bezugsquellen so weit wie möglich diversifiziert werden, um die Abhängigkeit von nur einem Lieferanten, dem russischen Monopolisten Gazprom, zu begrenzen. Gleichzeitig brauchen wir mehr Energieversorgungssolidarität zwischen den Mitgliedstaaten. Ziel muss sein, einander so zu vernetzen, dass künftig niemand von außerhalb isoliert oder boykottiert werden kann oder aus anderen Gründen plötzlich kurzfristig ohne Energieversorgung dasteht.

 

Wichtige Schritte zur langfristigen Lösung des Problems zeigt der EU-Aktionsplan zur Energieversorgungssicherheit und -solidarität auf. Der Klimaschutz ist dabei Teil dieser Strategie. Denn der Ausbau der erneuerbaren Energien auf 20 Prozent des Energieverbrauchs bis 2020 soll nicht nur die Erderwärmung bekämpfen, sondern auch neue heimische Energiequellen schaffen.

 

 

Haben Sie zu diesem Thema Fragen oder Anregungen? Dann schreiben Sie mir bitte!

Mehr Informationen zu diesem Themenkomplex finden Sie auf den folgenden Seiten im Internet:

 

Link zum Text des Vertrags über die Energiecharta:

 

http://www.encharter.org/fileadmin/user_upload/document/GE.pdf

 

Link zum EU-Aktionsplan zur Energieversorgungssicherheit und -solidarität (Englisch):

 

http://ec.europa.eu/energy/strategies/2008/doc/2008_11_ser2/strategic_energy_review_communication.pdf

 

Memo zum EU-Aktionsplan zur Energieversorgungssicherheit und -solidarität:

 

http://europa.eu/rapid/pressReleasesAction.do?reference=MEMO/08/703&format=PDF&aged=0&language=DE&guiLanguage=en

 

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