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März 2009/2 Kommission rudert bei Nährwertprofilen zurück -
Deutsche Brotvielfalt bleibt erhalten „EU will unsere Brezn versalzen!“ titelte die Zeitung mit den vier großen
Buchstaben vor kurzem und behauptete, dass deutsche Bäcker schon bald kein
Vollkornbrot, Brezn u.a.
Backwaren mehr herstellen dürften, deren Salzgehalt höher als ein Prozent
liege. Hausgemachter Blödsinn, wie sich schnell herausstellte. Denn die BILD
gab einem Vorschlag der Europäischen Kommission nicht nur den Anschein,
beschlossene Sache zu sein, sondern verdrehte auch die Fakten. So sollte der
Stein des Anstoßes, die so genannten Nährwertprofile, gar nicht einen hohen
Salzgehalt im Brot verbieten, sondern lediglich eine Werbezensur für
Lebensmittel mit "ungesunden" Nährwertprofilen einführen - die
bayerischen Brezn wären als Frischware davon gar
nicht betroffen gewesen. Die
Nährwertprofile, die von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit
(EFSA) vorgeschlagen wurden, bestehen aus sehr niedrigen Grenzwerten für
Fett, Zucker und Salz. Überschreitet ein Lebensmittel mehr als einen dieser
Grenzwerte, darf es auf der Verpackung keinen Hinweis mehr auf seinen
besonderen Nährwert oder einen Gesundheitsbezug geben. Ein Lebensmittel, das
nur bei einem der drei Inhaltsstoffe Fett, Zucker und Salz den Grenzwert
überschreitet, darf trotzdem mit seinem Nährwert oder mit einem
Gesundheitsbezug beworben werden, wenn die Vorderseite der Verpackung einen
entsprechenden Hinweis trägt. Nachdem mehrere
Europaabgeordnete und zum Schluss selbst Kommissionspräsident José Manuel Barroso Einwände gegen die strengen Kriterien von EFSA
erhoben, gab die Kommission nach und überarbeitet derzeit das Konzept der
Nährwertprofile. Grundnahrungsmittel wie alle dunklen Brotsorten, die einen
Ballaststoffanteil von mindestens drei Prozent haben, Obst, Gemüse, Fleisch,
Fisch, Milch und Eier sind nicht mehr von der Werbezensur betroffen. Auch für Kekse
soll es eine eigene Kategorie geben, so dass noch mit dem Ballaststoffanteil
geworben werden darf. Diskussionsbedarf gibt es noch bei Milchprodukten, weil
unklar ist, bis zu welchem Verarbeitungsgrad man sie als solche gelten lassen
und von der Regulierung ausnehmen will. Bei Käse und Wurstwaren ist der
zulässige Salzgehalt noch strittig. Auch der Umgang mit Mayonnaise und
Fertigsoßen ist noch nicht geklärt. Die
Nährwertprofile werden noch mindestens bis Mitte der kommenden Woche innerhalb
der Kommission diskutiert. Die ursprünglich für den 26. März vorgesehene
Abstimmung über den Entwurf wird auf Ende April verschoben. Erst dann soll
der Regelungsausschuss der Kommission über das endgültige Konzept für die
Nährwertprofile entscheiden. Damit kann die
endgültige Version der Nährwertprofile erst in der nächsten Legislaturperiode
dem Europäischen Parlament zugeleitet werden. Das gibt den Europaabgeordneten
ausreichend Zeit, das Konzept gründlich zu prüfen, damit sie gegebenenfalls
von ihrem Einspruchsrecht Gebrauch machen können. Denn - anders als von der
BILD suggeriert - kann die Europäische Kommission mit ihren Vorschlägen nicht
mit "der EU" gleichgesetzt werden. Das bürgernahe Europäische
Parlament hat ein bedeutendes Mitspracherecht und hätte die Nährwertprofile,
wenn sie tatsächlich für eine Einschränkung der Lebensmittelvielfalt in der
EU gesorgt hätten, mit Sicherheit gekippt. Haben Sie zu diesem Thema Fragen oder Anregungen? Dann schreiben Sie mir
bitte! Mehr Informationen zu diesem Themenkomplex finden Sie auf den folgenden
Seiten im Internet: Link zur Homepage
der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit: Link zum Artikel der BILD-Zeitung über den Salzgehalt in bayerischen Brezn: http://www.bild.de/BILD/muenchen/aktuell/2009/02/11/eu/will-uns-unsere-brezn-versalzen.html Aus aktuellem
Anlass: Interview mit Dr. Angelika
Niebler und Sozialministerin Christine Haderhauer zur Europawahl: |
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