Januar 2006 / 2

Wer finanziert in Zukunft die EU?

Das Europäische Parlament hat in dieser Woche mit überwältigender Mehrheit den von den 25 Staats- und Regierungschefs ausgehandelten Haushaltskompromiss von Dezember 2005 abgelehnt. Diese Ablehnung der Finanziellen Vorschau 2007-20013 der EU hat wichtige Grundsatzfragen um die weitere Ausgestaltung des EU-Haushalts in der Zukunft aufgeworfen.

Denn bei der Ablehnung des Haushalts ging es um mehr als nur um die Höhe des Budgets. Die Parlamentarier hatten den Staats- und Regierungschefs im Besonderen vorgeworfen, dass wichtige,  zukunftsorientierte Felder wie Forschung und Innovation oder Lern- und Austauschprogramme nicht die finanzielle Unterstützung erfährt, die notwendig wäre.

Wenn für die Forschungs- und Bildungspolitik nur etwas über 7% des Gesamtbudgets zur Verfügung stehen, bleibt die Frage offen, ob die EU sich im globalen Wettbewerb wirklich ausreichend behaupten kann.

Der monatelange Streit um den EU-Haushalt zeigt zudem, dass die Finanzierung der EU langfristig auf eine andere Grundlage gestellt werden sollte. Denn eine Haushaltseinigung einer EU mit mehr als 25 Staaten wird sich in Zukunft immer schwieriger gestalten.

Bei den angespannten Haushaltslagen der meisten Mitgliedsstaaten, will kein Staat mehr in die EU einzahlen als unbedingt notwendig. Es wird zunehmend schwieriger, aus den nationalen Budgets die Finanzmittel herauszuschneiden, die für Europa gebraucht wird.

Vor diesem Hintergrund gewinnt der Vorschlag des neuen EU-Ratspräsidenten, des österreichischen Bundeskanzler Wolfgang Schüssel, eine stärkere EU-Eigenfinanzierung zu gewährleisten, eine besondere Bedeutung.

Es mehren sich Stimmen, eine von der Kommission schon seit längerem immer wieder ins Spiel gebrachte EU-Steuer einzuführen. Möglich wäre dies zum Beispiel durch eine Umwidmung der Tabaksteuer, durch eine Steuer auf Finanzspekulationen oder Kerosin. In jedem Fall kann über eine EU-Steuer nur diskutiert werden, wenn die Bürger hierdurch nicht mehr belastet werden.

Eine EU-weite Steuer einzuführen, wird jedoch ein schwieriges Unterfangen. Frühere Überlegungen zu einer EU-Steuer wurden unter anderem von den Briten kategorisch abgelehnt. Auch Frankreich und Deutschland zeigten sich mit Blick auf die nationale Steuerhoheit skeptisch.

Auf lange Sicht wird es die EU aber nicht vermeiden können, ein Konzept zur langfristigen Finanzierung auszuarbeiten. Denn nur mit einem ausreichend großen und gut strukturiertem Budget kann die EU das leisten, was von ihr erwartet wird: Nämlich Motor für Wachstum und Beschäftigung sein.

Haben Sie zu diesem Thema Fragen oder Anregungen? Dann schreiben Sie mir bitte!

Mehr Informationen zu diesem Themenkomplex finden Sie auf folgenden Seiten im Internet:

Die Rede des österreichischen Bundeskanzlers Wolfgang Schüssel vor dem Europäischen Parlament

http://www.eu2006.at/de/News/Speeches_Interviews/1801schuesselredeep.html

Die Internetseite der österreichischen Ratspräsidentschaft

http://www.eu2006.at/de/

Hintergrundinformationen zum EU-Haushalt von Europa-Digital

http://www.europa-digital.de/dschungelbuch/haushalt/

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