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Mehr Sicherheit bei Medikamenten für Kinder
- Kommission schlägt Verordnung über Kinderarzneimittel vor
Die Zahl ist erschreckend
und zeigt zugleich, wie dringend der Handlungsbedarf ist:
Mehr als 50 Prozent der Medikamente, die für die
Behandlung von Kindern vorgesehen sind, wurden nicht für
diese Anwendung geprüft und zugelassen. Im Klartext
heißt dies: Hinsichtlich ihrer Dosierung und ihrer
Nebenwirkungen sind sie niemals gezielt auf die Anwendung
bei Kindern untersucht worden. Die Folgen sind offensichtlich
und lassen sich an vielen tragischen Fällen dokumentieren.
Jetzt hat die Europäische Kommission einen Vorschlag
zur Verordnung über Kinderarzneimittel vorgelegt.
Die Kommission sieht die Zulassung von Medikamenten vor,
die besonders für den Therapiebedarf von Kindern
erforscht und entwickelt wurden. Ziel ist es, dass neue
und bessere Arzneimittel verfügbar werden, die speziell
für Kinder entwickelt werden. Neben der verstärkten
Entwicklung und Zulassung von Arzneimitteln für Kinder
will die Verordnung aber auch hohe Qualitätsanforderungen
bei der Forschung sicherstellen.
Denn eines ist klar: Kinder dürfen nicht als "Versuchskaninchen"
missbraucht werden. Klinische Prüfungen bei Kindern
sollen nur dann stattfinden, wenn sie wirklich notwendig
sind und den Kindern insgesamt nützen.
Der Vorschlag der Kommission sieht daher vor, die pharmazeutische
Industrie bei der Entwicklung neuer Medikamente dazu zu
verpflichten, Arzneimittel, die von Nutzen für Kinder
sein können, auch im Hinblick auf ihre Wirkung bei
Kindern zu untersuchen.
Grundsätzlich muss also jedes neue Medikament auch
für Kinder zugelassen werden, es sei denn, diese
Untersuchungen sind wie bei Präparaten wie z. B.
gegen Alzheimer nicht sinnvoll.
Für Medikamente, die bereits auf dem Markt sind,
schlägt die Kommission ein Anreizsystem vor. Die
Firmen, die diese Medikamente auch im Hinblick auf ihre
Anwendung an Kindern prüfen und dann hierfür
eine Zulassung beantragen, sollen für das Medikament
eine zusätzliche Marktexklusivität erhalten.
Ein Problem dürfte dabei sein, dass vielfach der
Patenschutz für viele wichtige Medikamente abgelaufen
ist, so dass diese Exklusivität de facto nicht möglich
sein wird.
Kinder sind keine kleinen Erwachsenen. So verfügen
sie beispielsweise über einen völlig anderen
Stoffwechsel, so dass eigentlich von Medikament zu Medikament
eine angepasste Dosierung erforderlich wäre.
Insofern ist es bedauerlich, dass dieses Thema, das die
EU bereits im Jahr 2000 auf der Agenda hatte, erst jetzt
wieder aufgegriffen wird. Die Kommission benötigte
vier Jahre für den vorliegenden Vorschlag.
Jetzt duldet die Beratung dieses wichtigen Themas jedoch
keine weitere Verzögerung. Im Europäischen Parlament
und im Rat beginnen die Beratungen über den Vorschlagsentwurf.
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