Oktober 2009/2

Wüstenstrom für Europa – von der Vision zur Realität?

 

Es klingt wie eine Utopie und wird es auch noch mehrere Jahre bleiben. Doch die ersten Schritte zur Verwirklichung des weltweit größten Projekts zur Nutzung der Sonnenenergie sind gemacht und begleiten die Menschheit auf dem Weg in ein neues Energiezeitalter. DESERTEC ist der Name des Mammutprojekts, das im Jahr 2050 ca. 17 Prozent des europäischen Strombedarfs durch Solarstrom aus Kraftwerken in Nordafrika und Ländern des Mittleren Ostens decken will.

 

Auf Initiative von deutschen Klimaforschern und dem Club of Rome wurde die Idee seit etwa sechs Jahren intensiver in Fachkreisen diskutiert. Jetzt stellten einige der größtenteils deutschen Initiatoren in einem Hintergrundgespräch im Europäischen Parlament den aktuellen Stand des Projekts vor. Dabei wurde deutlich, dass auf europäischer Ebene die Türen zwar weit geöffnet sind, DESERTEC aber auf Widerstände einiger nationaler Regierungen stößt. Dabei geht es u.a. um die nationalen Fördersysteme für den Ausbau erneuerbarer Energien, in Deutschland ist dies das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG), die nicht auf die Auslandsstromerzeugung anwendbar sind.

 

Es stellt sich auch die Frage: Brauchen wir in der EU überhaupt Energieimporte dieser Art, sind nicht ausreichend heimische regenerative Energiequellen vorhanden? Ja und nein lautet in beiden Fällen die Antwort, denn es macht Sinn, Energie dort zu erzeugen, wo es am billigsten ist und wo sie quasi ständig vorhanden ist – das ist wichtig für die Netzsicherheit. Und die unerschöpfliche und klimafreundliche Solarenergie ist in Wüstenregionen besonders rentabel: 1600 Sonnenstunden in Deutschland stehen mehr als 3000 Sonnenstunden jährlich in Nordafrika gegenüber. Gleichzeitig verfügen Solarkraftwerke über Speichertanks, die Strom auch dann garantieren, wenn die Sonne nicht scheint.

 

Rein rechnerisch würden Solarkraftwerke auf einer Fläche von 300 Kilometern mal 300 Kilometern sogar ausreichen, um den gesamten weltweiten Energiebedarf zu decken. Das entspricht einem Viertel der Fläche Deutschlands und etwa einem Prozent der Fläche der Sahara. Für die angestrebte 17-prozentige Versorgung Europas und die gleichzeitige Versorgung der Partnerstaaten in Nordafrika und dem mittleren Osten mit Strom reicht schon eine deutlich kleinere Fläche aus. Weil die Sonne dort länger scheint, könnte der Strom in der Wüste zudem um bis zu zwei Drittel billiger produziert werden als in Europa.

 

Was fehlt ist die Netzinfrastruktur, um den Strom nach Europa zu transportieren. Mit Hilfe von so genannten Gleichstrom-Hochspannungsnetzen können große Mengen Strom mit relativ geringen Verlusten von maximal 15 Prozent von der Wüste nach Mitteleuropa übertragen werden. Dafür sind hohe Anfangsinvestitionen und entsprechende politische Rahmenbedingungen notwendig. Diese z. B. durch den Ausbau der transeuropäischen Netze zu schaffen, wird Aufgabe der europäischen Institutionen sein. Gleichzeitig müssen Forschungsgelder und Fördermittel auch auf nationaler Ebene stärker für Investitionen in Übertragungsnetze und Solarkraftwerke bereitgestellt werden. Denn wirtschaftlich machbar ist DESERTEC, wie ein erstes Teilprojekt  zeigt: Eine private Investoren-Gruppe hat ungeachtet aller Hindernisse bereits mit der Schaffung der Voraussetzungen zum Solarstrom-Export von Tunesien nach Süditalien begonnen.

 

Hierin liegt auch die Stärke des Projekts: Es setzt auf Vielseitigkeit. Die Investoren wollen sich nicht auf eine Leitung verlassen, sondern etwa 30 bis 40 Unterseeleitungen verlegen und die Solarkraftwerke auf zahlreiche Länder Nordafrikas und des Mittleren Ostens verteilen. Damit sinken Abhängigkeit und Erpressungspotential. Wie eine Studie zum Trans-Mediterranen Solarstromverbund zeigt, wären die Solarkraftwerke Teil eines gesamteuropäischen Stromnetzes, das sich 2050 mit Solarenergie, Windkraft, Geothermie, Wasserkraft und Biomasse zu 80 Prozent aus erneuerbaren Energiequellen speisen könnte.

 

Den Kritikern des Projekts sollte deshalb gesagt sein, dass international vernetzte erneuerbare Energien die dezentral erzeugten nicht ausstechen sondern sinnvoll ergänzen können. Und sie haben noch etwas Gutes: Laut Greenpeace könnten durch eine internationale Nutzung der Technologie in deutschen Unternehmen zukünftig rund 250.000 Arbeitsplätze allein beim Bau der Solarkraftwerke entstehen.

 

Haben Sie zu diesem Thema Fragen oder Anregungen? Dann schreiben Sie mir bitte!

Mehr Informationen zu diesem Themenkomplex finden Sie auf den folgenden Seiten im Internet:

 

Homepage der DESERTEC Foundation:

 

http://www.desertec.org/de/

 

Zusammenfassung einer Studie über einen Trans-Mediterranen Solarstromverbund:

http://www.dlr.de/tt/Portaldata/41/Resources/dokumente/institut/system/projects/TRANS-CSP-Zusammenfassung_Final-Deutsch_2006_10_13.pdf

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