November 2009/2

 

Kussverbot, Computerspiele und Telefon-Hotlines – Die Schweinegrippe in anderen EU-Staaten

 

Gesundheitspolitik ist kein europäisches Politikfeld, allenfalls eine Querschnittsaufgabe. Zum Glück, könnte man sagen, denn wo bliebe die Vielfalt, wenn die EU-Mitgliedstaaten ihre Gesundheitspolitiken vollständig harmonisieren würden? Im Fall der Schweinegrippe jedenfalls gehen die europäischen Länder ganz unterschiedlich gegen die Pandemie-Gefahr vor und sind dabei sehr erfinderisch. Die skurrilen Seiten eines eigentlich ernsten Themas:

 

„Kein Küsschen geben, kein Händeschütteln – sag nur ‚Hallo’“ prangt es von Plakaten des spanischen Ärzte-Verbandes in Madrid. Stattdessen sollten Kollegen, Freunde und Bekannte in Spanien doch lieber das japanische Kopfnicken ausprobieren. Dass sich diese Praxis in einem Land durchsetzt, in dem sich selbst Fremde mit Küsschen auf die Wange begrüßen, scheint unwahrscheinlich.

 

Die französischen Behörden waren besonders eifrig. Schon im Juli hatte das Land 94 Millionen Dosen Impfstoff bestellt, um mindestens 70 Prozent der Bevölkerung zwei Mal im Abstand von drei Wochen impfen zu können. Da mittlerweile von Experten eine einzige Impfung für völlig ausreichend erklärt wurde und zwei Drittel der Franzosen eine Impfung ablehnen, stellt Frankreich nun einen Teil der bestellten Impfdosen Entwicklungsländern zur Verfügung. Gleichzeitig versucht man auf anderem Weg, die Pandemiegefahr einzudämmen: In den Schulen des Landes wurden 12 Millionen Broschüren mit Hinweisen zu vorbeugendem Verhalten verteilt, im Ernstfall werden Schulen geschlossen und der Unterricht per Internet fortgesetzt. Der Bürgermeister der Kleinstadt Coulaines in Westfrankreich hatte eine ganz besondere Idee, um die Verbreitung der Grippe-Viren einzudämmen: Kurzentschlossen ließ er wegen der Ansteckungsgefahr das Spucken auf öffentlichen Plätzen verbieten.

 

Learning by doing“ lautet das Motto von Wissenschaftlern der Erasmus-Universität Rotterdam in den Niederlanden. Sie haben ein Computerspiel entwickelt, bei dem die Spieler eine weltweite Grippe-Pandemie bekämpfen und so für die Gefahren des Schweinegrippenvirus sensibilisiert werden sollen. Dabei stehen die Spieler an der Spitze einer internationalen Einrichtung, die der Weltgesundheitsorganisation ähnelt und erhalten für die Bekämpfung der Grippe Mittel in Höhe von zwei Milliarden Euro. Die Schweinegrippe entspricht dabei der Schwierigkeitsstufe zwei bis drei, das schlimmste Virus auf Schwierigkeitsstufe fünf ähnelt hingegen der Spanischen Grippe, der im Jahr 1918 weltweit mehrere Millionen Menschen zum Opfer fielen.

 

In Großbritannien schließlich, das mit derzeit 180 an der Schweinegrippe Verstorbenen einen traurigen europäischen Rekord hält, haben hysterische Medienberichte im Sommer eine Panik ausgelöst, die dazu führte, dass die eingerichtete „swine flu hotline“ – ärztliche Beratung am Telefon - mit 2.600 Anrufen pro Sekunde überflutet wurde. Sie sollte die Praxen der Allgemeinärzte davor bewahren, von Patienten überrannt zu werden, die fürchteten, die Schweinegrippe zu haben. Schlimmer noch sind die Tricks, mit denen gesunde Menschen das Grippemittel Tamiflu in Großbritannien horten um „vorzubeugen“ – dabei immunisiert das begehrte Medikament nicht, sondern bekämpft lediglich die Grippesymptome. In zahlreichen Fällen machten Gesunde bei einer Online-Checkliste falsche Angaben zu ihrem Gesundheitszustand um eine Identifikationsnummer zu erhalten, mit der sie in einem der Gesundheitszentren das Medikament abholen konnten. Eine Aufforderung zum Missbrauch, wie er leichter nicht zu bewerkstelligen ist.

 

 

Haben Sie zu diesem Thema Fragen oder Anregungen? Dann schreiben Sie mir bitte!

Mehr Informationen zu diesem Themenkomplex finden Sie auf der folgenden Seite im Internet:

 

Link zum Computerspiel der Erasmus-Universität Rotterdam:

 

http://www.thegreatflu.com

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