Januar 2010/1

 

Die Körperscanner kommen – Horrorvision oder sinnvoller Schutzmechanismus?

 

Der Sohn eines erfolgreichen nigerianischen Bankiers saß auf Platz 19A des Airbus 330 auf dem Northwest-Airlines-Flug 253 von Amsterdam nach Detroit und hätte den Angehörigen der 278 Passagiere und 11 Besatzungsmitglieder ein schrecklich trauriges Weihnachtsfest bescheren können. Umar Farouk Abdulmutallab wollte sich selbst und das Flugzeug kurz vor der Landung auf amerikanischem Boden in die Luft sprengen. Doch zum Glück ging sein Plan nicht auf: weil der Zünder nicht richtig funktionierte und ein Mitreisender und die Crew beherzt eingriffen.

 

Bei einer Durchleuchtung mit einem Körperscanner wären der Beutel mit nichtmetallischem Sprengstoff und die Spritze mit hochentzündlicher Flüssigkeit, die Abdulmutallab unter seiner Kleidung versteckt hielt, wahrscheinlich entdeckt worden. Nicht zuletzt deshalb wollen Großbritannien und die Niederlande die umstrittenen Scanner so schnell wie möglich an allen Flughäfen einführen. Andere EU-Staaten wie die Bundesrepublik Deutschland, Frankreich und Österreich zögern noch. Deutschland fordert ein abgestimmtes Vorgehen innerhalb der EU um ein rechtliches Chaos für den europäischen Luftverkehr zu vermeiden.

 

Einen entsprechenden Vorstoß gab es in Brüssel bereits. Im Oktober 2008 hatte die Europäische Kommission vorgeschlagen, die Scanner zur Passagierkontrolle in allen Mitgliedstaaten einzuführen. Der Vorschlag wurde aber vor allem wegen massiver Ablehnung im Europäischen Parlament wieder zurückgezogen. Bei einem Treffen von Luftfahrtexperten der Mitgliedstaaten mit Vertretern der Kommission in Brüssel wurde am vergangenen Donnerstag diskutiert, ob die Technologie geeignet sei, das Risiko von Terroranschlägen zu verringern.

 

Der momentane Stand der Technik erlaubt keine klarere Antwort als „vielleicht“. Die meisten der derzeit eingesetzten Scanner arbeiten auf Basis von Röntgenstrahlen, die Kleidung so genau durchleuchten, dass sich dem Sicherheitspersonal ein detailgenaues Bild des nackten Menschen zeigt – samt Genitalien, möglicherweise vorhandener Prothesen, künstlicher Darmausgänge oder Urinbeutel. Dabei können dichte Gegenstände wie Schusswaffen, Messer oder Drogenpakete gut erkannt werden – der vom Detroit-Attentäter verwendete Sprengstoff beispielsweise ließe sich aber auch als wenige Millimeter dünne Folie verarbeiten, die von den Geräten nicht angezeigt wird. Zugleich ist die Durchleuchtung mit Röntgenstrahlen immer ein gesundheitliches Risiko und die „Zurschaustellung“ der Flugreisenden menschenunwürdig.

 

Eine neue Version der Scanner arbeitet mit der gesundheitlich unbedenklichen Tetrahertz-Strahlung, einer Wärmestrahlung zwischen Infrarot und Mikrowellen. Zusätzlich verwendet die Körperscanner-Software stilisierte Bilder, auf denen nur die Stellen markiert sind, an denen sich verdächtiges Material befindet. Probleme können allerdings durchgeschwitzte und ungewöhnlich geformte Kleidungsstücke verursachen, die Kleidung wird möglicherweise nicht richtig durchleuchtet – damit garantiert auch die neueste Technik keine vollständige Sicherheit. Wenn Terroristen Sprengstoff zudem nicht am, sondern im Körper tragen, helfen letztlich nur Röntgengeräte, wie wir sie aus Arztpraxen kennen – und es wäre fatal und unverantwortlich, die zig Millionen Fluggäste, die jedes Jahr europäische Flughäfen passieren, diesem gesundheitlichen Risiko auszusetzen.

 

Die Erkenntnis aus dem versuchten Attentat am ersten Weihnachtstag sollte lauten: vollständige Sicherheit kann es nirgendwo geben und menschliche Intelligenz wiegt schwerer als technische. Denn es waren keine Fehler technischer Natur, die dem Nigerianer Abdulmutallab ermöglichten, die Maschine nach Detroit zu besteigen, sondern Fehler im System. Der Vater des 23-jährigen hatte sich vorab besorgt an amerikanische Behörden gewandt, weil sein Sohn sich zunehmend radikalisierte und den Kontakt zur Familie abgebrochen hatte. Abdulmutallab stand damit auf eine Liste der Terrorverdächtigen und dennoch schrillten keine Alarmglocken, als er in Lagos sein Flugticket bar bezahlte und die zweiwöchige Reise in die USA nur mit Handgepäck antrat. Geheimdienstmitarbeitern soll sogar bekannt gewesen sein, dass ein Nigerianer einen größeren internationalen Anschlag plane.

 

So lange die Umstände nicht geklärt sind, wie es zu dem Attentatsversuch kommen konnte und Körperscanner keine hundertprozentige Sicherheit bieten, ist ihre europaweite Einführung insbesondere aufgrund der Verletzung von Persönlichkeitsrechten nicht akzeptabel. Vielmehr sollte an einem besseren Informationsaustausch unter den Sicherheitsbehörden gearbeitet werden und der Einsatz von „Profilern“ auf Flughäfen verstärkt werden, damit solch eine Tat künftig schon im Ansatz verhindert wird.

 

 

Haben Sie zu diesem Thema Fragen oder Anregungen? Dann schreiben Sie mir bitte!

Mehr Informationen zu diesem Themenkomplex finden Sie auf der folgenden Seite im Internet:

 

Stellungnahme der Europäischen Kommission zum Einsatz von Körperscannern (Englisch):

 

http://www.europarl.europa.eu/sides/getAllAnswers.do?reference=P-2009-5370&language=EN

 

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