März 2010/3

 

Das Salz bleibt auf der Brezn – Lücken bei Lebensmittelkennzeichnung sollen geschlossen werden

 

„EU will unsere Brezn versalzen!“ titelte die BILD im März 2009 und schrieb, dass fortan keine Backwaren mehr verkauft werden dürften, deren Salzgehalt höher als ein Prozent liege. Jetzt, fast genau ein Jahr später, ist die Diskussion über den Salzgehalt im Brot erneut entbrannt. Der Zentralverband des deutschen Bäckerhandwerks behauptet erneut, dass die Europäische Union Grenzwerte für den Salzgehalt in Backwaren vorschreiben will. Diejenigen, die sich an mein Europa-Telegramm vom März 2009 erinnern, können es sich denken: schon wieder eine Ente.

 

Die Behauptung, die EU wolle vorschreiben, welchen Salzgehalt Brot haben dürfe, ist schlichtweg falsch. Richtig ist, dass die von Parlament und Rat erlassene „Health-Claims-Verordnung“ von 2006 (Verordnung über nährwert- und gesundheitsbezogene Werbeaussagen bei Lebensmitteln) die Europäische Kommission dazu verpflichtet hat, bis zum Januar 2009 Nährwertprofile für einzelne Lebensmittel und Lebensmittelkategorien zu entwickeln. Auf Vorschlag der Kommission dürften demnach Lebensmittel in der Werbung nur dann als „gesund“ bezeichnet werden, wenn bestimmte Grenzwerte für Salz, Fett oder Zucker nicht überschritten würden. Es würde sich also nicht um ein Verkaufs-, sondern um ein Werbeverbot handeln.

 

Dazu kommt, dass diese Regelung noch vom Europäischen Parlament gekippt werden kann – was aktuell sehr wahrscheinlich ist. Die Einteilung der Lebensmittel in gute und schlechte halten viele Abgeordnete für bedenklich und haben sich im zuständigen Umweltausschuss mehrheitlich gegen die werbebeschränkenden Grenzwerte für Fett, Salz und Zucker ausgesprochen. Nährwertprofile bewerten schließlich immer nur ein einzelnes Produkt und nicht eine komplette Mahlzeit oder Tagesration. Das gesunde deutsche Vollkornbrot, das aufgrund seines hohen Salzgehaltes nicht mehr als gesund beworben werden dürfte, ist ein gutes Beispiel dafür.

 

Die entsprechende Änderung der EU-Verordnung, die die Europaabgeordneten von CDU und CSU im Umweltausschuss des Europäischen Parlaments durchgesetzt haben, muss noch durch das Plenum und anschließend im Ministerrat bestätigt werden. Die für Verbraucher positive und eigentlich wichtigere Nachricht ist aber bei der Verwirrung um den Salzgehalt von Backwaren untergegangen: Die Nährwertangaben auf Lebensmittelverpackungen sollen verständlicher werden.

 

Derzeit kann jeder Hersteller die Kennzeichnung wählen, die ihm günstig erscheint – mit dem Ergebnis, dass sich kein Verbraucher mehr zurechtfindet. Die Empfehlung des Umweltausschusses folgt deshalb einer ähnlichen Strategie wie der EU-Regelung, nach der auf  Preisschildern auch die Preise für das volle Kilo oder den vollen Liter angegeben werden müssen. Die Nährwertangaben sollen künftig pro 100 Gramm für alle verpackten Lebensmittel verbindlich werden und in Relation zu einer empfohlenen Tagesdosis gesetzt werden. Der ebenfalls in der Diskussion stehenden Lebensmittelampel (grüne, gelbe und rote Punkte für die Gesundheitsförderung von Lebensmitteln) wurde damit eine Absage erteilt.

 

All das, liebe Leserinnen und Leser, halte ich für eine gute Nachricht. Die Brezn wird weiterhin so gut und salzig wie eh und je schmecken und in Zukunft können wir unsere Diätpläne oder auch einfach nur gesunde Ernährungsvorsätze leichter erfüllen – was nach dem Osterschmaus für den ein oder anderen ja durchaus relevant sein könnte. Ihnen allen wünsche ich frohe Osterfeiertage und einen guten Appetit auf die traditionellen Ostereier – mit Salz, versteht sich.

 

Ihre Angelika Niebler

 

 

Haben Sie zu diesem Thema Fragen oder Anregungen? Dann schreiben Sie mir bitte!

Mehr Informationen zu diesem Themenkomplex finden Sie auf der folgenden Seite im Internet:

 

Europa-Telegramm März 2009/2 zum Thema Nährwertprofile:

 

http://www.angelika-niebler.de/telegramm/telegramm_88.htm

 

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