Oktober 2010/1

 

Das Netz vergisst nichts – Google, Facebook und Co. kennen keine Privatsphäre

 

Ich gestehe. Ich habe mich bei dem sozialen Netzwerk Facebook angemeldet und nenne dort viele Menschen meine Freunde, die ich im wahren Leben noch nie gesehen habe. 500 Millionen von knapp 6,7 Milliarden Erdenbewohnern sind bei Facebook miteinander vernetzt und können Tag für Tag, Stunde für Stunde verfolgen, was ihre Freunde oder auch völlig unbekannte Menschen den lieben langen Tag treiben und selbst Auskunft über ihr Befinden geben. Man gewinnt schnell den Eindruck, dass es für manche keinen einzigen Tag mehr gibt, an dem sie diesen „sozialen Dienst“ nicht auf die eine oder andere Weise nutzen. Das Web 2.0 bietet Internetnutzern ungeahnte Möglichkeiten – aber auch Unmöglichkeiten.

 

Eine davon: das unendliche Gedächtnis des Internets. Da sich vieles im Netz ständig im Wandel befindet, nehmen die Menschen, die in ihm surfen, alles als gegenwärtig wahr. Paradoxerweise wird jedoch nirgendwo so viel Vergangenes gespeichert wie im Internet. Alles, was jemals eingestellt wurde, kann theoretisch auf ewig erhalten bleiben und unendlich oft kopiert werden – mit peinlichen bis existenzbedrohenden Folgen für einzelne Nutzer. Das mittlerweile berühmt gewordene Zitat von Google-Chef Eric Schmidt "Wenn es etwas gibt, von dem Sie nicht wollen, dass es irgendjemand erfährt, sollten Sie es vielleicht ohnehin nicht tun" klingt in dieser Hinsicht zynisch. Erst recht, wenn man selbst möglicherweise gar nicht Urheber des peinlichen Urlaubsfotos ist, das im Netz für jedermann sichtbar aufgetaucht ist.

 

Die EVP-Arbeitsgruppe „The Internet Today and Tomorrow“ fordert deshalb die Einführung europäischer und internationaler Standards für die Speicherzeit von Daten und Dateien. So wie der Staat von Bürgern erhobene Informationen nach bestimmten Fristen vernichten muss, sollten auch entsprechende Regeln für Unternehmen, Medien und andere Datensammler gelten, die Benutzerdaten digital speichern.

 

Um die Sicherheit von Daten zu gewährleisten, brauchen wir außerdem klare Regeln für soziale Netzwerke, womit wir wieder beim Beispiel Facebook wären. Anders als bisher sollten die Voreinstellungen bei Neuanmeldungen oder auch beim Inkrafttreten neuer Dienste den größtmöglichen Schutz für alle persönlichen Daten bieten. Facebook verfährt in der Regel anders, so muss man beispielsweise die neueste Anwendung „Facebook Placesdeaktivieren, wenn man nicht möchte, dass der eigene Aufenthaltsort automatisch von Facebook-Freunden angegeben („getaggt“) werden kann, sobald diese sich mit ihrem Handy bei Facebook einloggen. Zu der Sicherheit von Daten gehört der Grundsatz, dass der Nutzer der Weitergabe seiner Daten an Dritte ohne Wenn und Aber zustimmen muss – rechtliche Unklarheiten darf es künftig nicht mehr geben.

 

Was Suchmaschinen wie z.B. Google alles können, ist schier unglaublich und bietet den Nutzern riesige Vorteile bei der Recherche im Internet. Aber: Google speichert die IP-Adresse, den Webbrowser, das Betriebssystem sowie Datum und Uhrzeit und merkt sich, ob der Nutzer mit dem ersten Treffer zufrieden war und ob und welche weiteren Fundstellen er besucht hat. Kombiniert mit zahlreichen registrierungspflichtigen Programmen und Diensten, bei denen der Nutzer ebenfalls Spuren hinterlässt, gewinnt der Konzern ein sehr detailliertes Bild vom Surfer. Wo bleibt da die Privatsphäre? Problematisch sind besonders so genannte Smartphones und mobile Endgeräte, mit denen der Anwender jederzeit geortet werden kann und keinen Einfluss auf den automatischen Datentransfer nehmen kann.

 

Damit jeder selbst bestimmen kann, welche Spur er im Netz hinterlassen will, sollte es ein zentrales Widerspruchsregister geben, in dem sich jeder Bürger gegen die Veröffentlichung seiner persönlichen Daten im Internet wehren kann. Das Beispiel Goggles illustriert das Problem: Googles ist eine Anwendung, mit der fotografierte Objekte – selbst Gesichter – erkannt werden können. Noch ist das Programm nicht freigegeben, aber sobald es auf den Markt kommt, kann jeder, der ein internetfähiges Handy hat zu jedem beliebig fotografierten Ort, Objekt oder Menschen alle Informationen abrufen, die es im Internet dazu gibt. Damit für solche Dienste – Street View ist ein weiteres Beispiel – nicht jedes Mal separat widersprochen werden muss, wäre ein zentrales Register sehr hilfreich, zumal die meisten Menschen längst nicht mehr überblicken können, wo sie überall Spuren hinterlassen haben.

 

Solche Regeln sollten schnell kommen, denn ein grundsätzliches Problem bei der Rechtsetzung in diesem Bereich ist: das Internet ist schnell, die Politik in der Regel langsam. Gerade deshalb sollten wir uns nicht hinter dem technologischen Fortschritt verstecken und müssen vor allem auch die Verbraucher dafür sensibilisieren, sorgfältiger mit ihren Daten umzugehen.

 

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