November 2010/1

 

Und der LUX geht an... – Spannendes Finale um den Europäischen Filmpreis

 

Der Umgang mit illegalen Einwanderern, Gewalt gegen Frauen und Fremdenhass sind gesellschaftliche Probleme, die in der Politik und der europäischen Öffentlichkeit wenig präsent sind. Wie wir in Europa mit solchen Themen umgehen, bestimmen unsere Werte und unsere Kultur, die auch von Eindrücken geprägt werden, die wir aus den Filmen, die wir sehen, gewinnen. Diese stammen hierzulande zum großen Teil aus der Feder Hollywoods. Der kulturelle Reichtum, der in europäischen Produktionen steckt, wird leider wenig wahrgenommen und geht in unserer Fast Food-Kultur allzu leicht verloren. Balsam für die europäische (Kultur-)Seele ist daher das europäische Filmfestival, dessen drei Finalisten ich Ihnen in dieser Ausgabe des Europa-Telegramms vorstellen möchte.

 

Um den PRIX LUX, den das Europäische Parlament seit 2007 an Filme verleiht, die aktuelle gesellschaftliche Fragen oder der europäischen Integration aufgreifen, kämpfen dieses Jahr zwei bewegende Frauen-Dramen und eine griechische Tragikomödie. Alle drei Filme vermögen aufzurütteln und gebrauchen auf eindrucksvolle Art und Weise die ganz eigene Sprache des europäischen Kinos.

 

Ein bisschen mehr als sonst stehen dabei Frauen im Vordergrund des Geschehens: die mutige Russin Tania, die als illegal in Belgien lebende Mutter eines 14-jährigen Sohns gegen die Mühlen der Justiz kämpft. Die 25-jährige Türkin Umay, die in Berlin bei ihrer Familie Zuflucht vor ihrem gewalttätigen Ehemann sucht, aber damit einen Konflikt zwischen Familienbanden und den Zwängen der Gesellschaft auslöst, der sie und ihre Familie zerstört. Oder die demente Harikleia, Mutter des Protagonisten Stavros in dem Film „Kleine Wunder in Athen“, die auf ihre schrullige Art den Nationalstolz ihres Sohnes ad absurdum führt.

 

Nicht zuletzt ist mit Regisseurin Feo Aladag das erste Mal eine Frau unter den Anwärtern auf den LUX vertreten. „Die Fremde“ heißt ihr Filmdebüt, bei dem die mit einem Türken verheiratete Deutsche nicht nur Regie geführt, sondern auch das Drehbuch geschrieben und produziert hat. Ihr eindringliches Familien-Portrait wurde bereits als bester deutscher Film für die Oscar-Verleihung nominiert. „Die Fremde“ thematisiert die Zwänge und Konflikte einer patriarchalisch orientierten Gesellschaft, verzichtet dabei aber angenehm zurückhaltend auf Schwarzmalerei und moralische Vorverurteilung. Man leidet mit den Charakteren und versteht am Ende, dass die Geschichte weit über die schlichte Erzählung des Schicksals einer türkischen Migrantenfamilie hinausgeht. Gefangen im Konflikt zwischen familiären und gesellschaftlichen Erwartungen kratzt der mit hervorragenden Schauspielern besetzte Film an einer Welt verkrusteter Strukturen und Vorurteile, die hier im Extrem dargestellt werden. Ein Film, der nachdenklich macht und erschüttert. Mein Favorit für den LUX!

 

In „Illegal“, einer Co-Produktion aus Belgien, Frankreich und Luxemburg, brilliert Schauspielerin Anne Coesens in der Rolle einer Russin, die gemeinsam mit ihrem Sohn ihr Heimatland verlassen hat und seit knapp zehn Jahren illegal in Belgien wohnt. Der Film berührt eindrucksvoll die Fragen, wie viel Asyl suchende Menschen ertragen können und wie ihre Rechte gegenüber denen des Staates in der Waage gehalten werden können. Regisseur Olivier Masset-Depasse enthält sich weitestgehend einer Meinung über ein System, das den illegal Eingewanderten im Grunde nichts Schlechtes will, dennoch für Einzelschicksale die Hölle bedeuten kann. Er macht aber deutlich, dass auch „Illegale“ Menschen sind, die Gefühle und Rechte haben und ein System, das dies ignoriert, unmenschlich ist. Unbedingt sehenswert!

 

Der dritte Finalist, die griechische Tragikomödie „Kleine Wunder in Athen“, erzählt die Geschichte des alternden Kioskbesitzers Stavros im Athener Stadtteil Akadimia Platonos, nach welchem der Film im Original benannt ist. Er thematisiert die interkulturellen Schwierigkeiten im heutigen Griechenland und den vielerorts keimenden Hass auf Fremde. Als fauler Verlierer-Typ hockt Stavros tagein, tagaus mit Freunden vor seinem Laden und lästert über die Albaner und Chinesen in „seinem“ Viertel. Bis eines Tages seine demente Mutter in dem Albaner Marengelen ihren lange verlorenen Sohn zu erkennen glaubt und plötzlich fließend Albanisch spricht. Skurril.

 

 

Haben Sie zu diesem Thema Fragen oder Anregungen? Dann schreiben Sie mir bitte!

Mehr Informationen zu diesem Themenkomplex finden Sie auf den folgenden Seiten im Internet:

 

Homepage des Filmpreises:

 

http://www.luxprize.eu/

 

Infos zum Film „Die Fremde“:

 

http://www.diefremde.de

 

Infos zum Film „Kleine Wunder in Athen“:

 

http://www.kleinewunderinathen.de/

 

Infos zum Film „Illégal“ (Französisch):

 

http://www.illegal-lefilm.fr/

 

Impressum

 

Herausgeberin:

Dr. Angelika Niebler, MdEP

Bürgerbüro:

CSU-Kreisgeschäftsstelle

Münchener Straße 2

85560 Ebersberg

Telefon: (08092) 86 57 70

Telefax: (08092) 25 69 20

E-Mail: info@angelika-niebler.de

Internet: www.angelika-niebler.de