Februar 2011/1

 

Seltene Erden & Co. – Europäische Kommission nimmt Rohstoffmärkte ins Visier

 

Haben Sie in letzter Zeit mal wieder in Ihre Schubladen geschaut und gezählt, wie viele alte Handys, MP3-Player oder anderen „Elektroschrott“ sie dort vergraben haben? Nein? Dann sollten Sie das schleunigst tun, denn darin könnte sich ein kleiner Schatz verbergen. Oder haben Sie ihre alten Handys einfach weggeworfen? Noch schlimmer, denn viele alte Handys landen im Hausmüll – und damit in der Müllverbrennungsanlage, wodurch die in den Handys enthaltenen Wertstoffe komplett verloren gehen. Bei zehn Millionen Handys im Jahr sind das 350 Kilogramm Gold oder neun Millionen Euro, die jährlich verbrannt werden. Wenn man die Folgen des Goldabbaus für Umwelt und Mensch dazurechnet, wird die Verschwendung noch dramatischer.

 

Angesichts drohender Rohstoffknappheit ist es also höchste Zeit, dass wir Politiker uns der Sache annehmen und Hersteller und Verbraucher stärker in die Pflicht nehmen. Derzeit werden noch nicht mal ein Prozent der ausrangierten Handys wiederverwertet, dabei ist die Versorgungslage bei mindestens 14 Rohstoffen schon jetzt kritisch: Magnesium (Blitzlicht, Fahrzeugteile), Graphit (Bleistifte, Elektroden), Kobalt (Batterien und Akkus), Gallium (Sonnenkollektoren und LED-Leuchten) und Germanium (Glasfaserkabel) beispielsweise sind schon jetzt schwer zu bekommen, zumal ein Großteil der Stoffe aus nur vier Ländern stammt: China, Russland, Brasilien und Kongo.

 

China, das mit einem Produktionsanteil von mehr als 95 Prozent den Markt für die so genannten „seltenen Erden“ dominiert, zählt dabei zu den Schlüsselakteuren. Das Land hat seine Exportquote in der Vergangenheit deutlich zurückgefahren und will sie noch weiter senken. Deshalb soll der Rohstoffabbau in Europa zukünftig stärker gefördert und die dazugehörige Bürokratie vereinfacht werden. Das ist Teil der europäischen Rohstoffsstrategie, die die Europäische Kommission diese Woche in Brüssel vorgestellt hat. Um sich Zugang zu den Vorkommen im Ausland zu sichern, will die EU über strategische Partnerschaften und Handelsabkommen einen besseren Marktzugang und mehr Transparenz schaffen.

 

Eine Dreifach-Strategie (die Versorgung der EU mit Rohstoffen aus dem Ausland, die Förderung von Rohstoffen innerhalb der EU sowie mehr Recycling) ist Dreh- und Angelpunkt des Vorschlags der Europäischen Kommission. Insbesondere gegenüber China muss die EU allerdings noch härter auftreten, um sich nicht auf der Nase tanzen zu lassen. Nachdem das Land die Ausfuhrzölle für seltene Erden erhöht hat, wären Strafzölle für chinesische Produkte, die seltene Erden enthalten, ein sinnvolles Instrument, um die Handelsbarrieren der Chinesen zu relativieren.

 

Bei der Kooperation mit Ländern der Dritten Welt bewegen sich die europäischen Staaten aber auf einem schmalen Grat. Das Bestreben, Europas Rohstoffversorgung zu sichern, darf nicht über unsere Verantwortung gegenüber diesen Ländern siegen und den Weg zurück in den Rohstoffkolonialismus ebnen. Deshalb ließe sich gerade auch bei der Nutzung eigener Ressourcen beispielsweise mithilfe eines europäischen Geodatensystems viel erreichen.

 

Die größten noch ungenutzten Chancen liegen jedoch im Bereich des Recycling und deren Effizienz. Sie müssen wir nutzen, anderenfalls wird Europas Industrie im globalen Wettlauf um ökologische Innovation, Zukunftsfähigkeit und Wettbewerbsfähigkeit ins Hintertreffen geraten.

 

 

Haben Sie zu diesem Thema Fragen oder Anregungen? Dann schreiben Sie mir bitte!

Mehr Informationen zu diesem Themenkomplex finden Sie auf den folgenden Seiten im Internet:

 

Mitteilung der Europäischen Kommission zur EU-Rohstoffstrategie (Englisch):

 

http://ec.europa.eu/enterprise/policies/raw-materials/files/docs/communication_en.pdf

 

Diverse Möglichkeiten der Handy-Rückgabe:

 

http://www.duh.de/althandy.html

http://www.wwf.de/kooperationen/o2/

http://www.malteser.de/93.Handysammlung/default.htm

http://www.nabu.de/themen/mehrwegundreycling/handy-kampagne/index.html

 

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