Februar 2011/2

 

Ein Stecker für alle – EU normt Ladegeräte für Handys

 

Wer im Europäischen Parlament arbeitet, kennt diese E-Mails nur zu gut: „Brauche dringend ein Nokia-Ladegerät!“ – „Wer hat einen SonyEricsson-Stecker?“ – „Looking for a Motorola charger!“ steht dort im Betreff. Ob Abgeordnete oder Mitarbeiter – wer sein eigenes Handyladegerät zuhause vergessen hat, wird auf der Suche nach Ersatz meist weder im eigenen Büro, noch im Nachbarbüro fündig und weiß häufig keinen anderen Ausweg, als die Kollegen in einer Rund-Mail um Hilfe zu bitten. Denn es sind fast 30 verschiedene Ladegeräte mit unterschiedlichen Steckern auf dem Markt und selbst wenn zwei Handys vom selben Hersteller stammen, gibt es keine Garantie dafür, dass derselbe Stecker passt.

 

Dem schiebt die Europäische Union jetzt einen Riegel vor. Noch in diesem Jahr wird europaweit ein einheitliches Ladegerät für Handys eingeführt, den Prototyp stellten 14 Handyhersteller diese Woche in Brüssel vor: In Zukunft sollen alle datenfähigen Handys mit dem Micro-USB-Anschluss kompatibel sein. Diese Neuerung geht zurück auf eine Vereinbarung zwischen Europäischer Kommission und führenden Handy-Herstellern, die sich auf eine technische Norm für Lade-Stecker einigten. Weil die größten Handy-Hersteller der Welt mitmachen, könnte der Euro-Standard sich sogar global durchsetzen.

 

In den 27 Mitgliedstaaten der EU sind geschätzte 500 Millionen Handys in Gebrauch, Tendenz steigend. Das größte Problem dabei ist, dass Handys heutzutage nur noch eine durchschnittliche Nutzungsdauer von 1,5 Jahren haben und wir jedes Mal, wenn wir ein neues Telefon kaufen, automatisch ein neues Ladegerät dazubekommen. Das führt zu einem riesigen Abfallberg überflüssiger Ladegeräte. Praktisch jeder Haushalt in der EU verfügt über eine Sammlung alter Ladegeräte, die über 51.000 Tonnen Elektroschrott pro Jahr ausmachen. Über das Recycling-Problem hatte ich erst letzte Woche in meinem Europa-Telegramm zur europäischen Rohstoffstrategie berichtet.

 

Um dieses Problem noch weiter abzumildern, sollte das einheitliche Ladegerät in Zukunft auch mit anderen Elektrogeräten kompatibel sein: im Urlaub bräuchte man dann z. B. für MP3-Player, Digitalkamera, Navigationsgerät und Handy nur noch ein Ladegerät. Auch für größere Geräte wie Laptops, die leistungsstärkere Ladegeräte benötigen, wäre eine europäische Norm denkbar und vernünftig. Deshalb sollte die EU der Industrie auch für Geräte dieser Größenordnung eine einheitliche Norm für Akku-Lader vorschlagen. Notfalls kann sie dafür auf die Androhung verbindlicher Rechtsvorschriften zurückgreifen, wie sie es bereits erfolgreich im Fall der Handyladegeräte getan hat.

 

 

Haben Sie zu diesem Thema Fragen oder Anregungen? Dann schreiben Sie mir bitte!

Mehr Informationen zu diesem Themenkomplex finden Sie auf der folgenden Seite im Internet:

 

Informationskampagne der Europäischen Kommission „One charger for all“:

http://www.onechargerforall.eu/de/

Impressum

 

Herausgeberin:

Dr. Angelika Niebler, MdEP

Bürgerbüro:

CSU-Kreisgeschäftsstelle

Münchener Straße 2

85560 Ebersberg

Telefon: (08092) 86 57 70

Telefax: (08092) 25 69 20

E-Mail: info@angelika-niebler.de

Internet: www.angelika-niebler.de