Mai 2011/1

 

Sprechen Sie Deutsch? – Manchmal. Zur Diskriminierung der deutschen Sprache

 

Praxis und Theorie sind zwei verschiedene Paar Schuhe. Offiziell ist Deutsch eine der drei Arbeitssprachen der europäischen Institutionen. Tatsächlich finden aber kaum Verhandlungen auf Deutsch statt und Arbeitsdokumente werden wenn überhaupt nur mit zeitlicher Verzögerung ins Deutsche übersetzt. Eigentlich könnte das egal sein: Diplomaten und Politiker sprechen in der Regel mehrere Fremdsprachen und Gesetzestexte werden ohnehin in alle 23 Amtssprachen der EU übersetzt. Doch wo andere auf Shakespeare und Voltaire verweisen, sollte das Land von Schiller und Goethe nicht zurückstecken. Europäische Vielfalt manifestiert sich auch in der Sprachenvielfalt und die Pflege der eigenen Sprache als kulturelles Erbe sollte gerade auf europäischer Ebene nicht zu kurz kommen. Denn die Diskriminierung der deutschen Sprache setzt sich bis zur Informationspolitik der Europäischen Kommission fort. Wenn man z. B. auf der Kommissions-Webseite zur Mehrsprachigkeit in Europa auf den Link „Wichtige Dokumente“ klickt, erhält man nur den nüchternen Hinweis: „This page is only available in English“.

 

Bittere Ironie. An dem geringen Stellenwert der deutschen Sprache im Brüsseler Arbeitsalltag ist Deutschland selbst allerdings nicht ganz unschuldig. Aus historischen Gründen verzichteten deutsche EU-Beamte lange Zeit darauf, den Gebrauch von Deutsch als Arbeitssprache in Brüssel und Straßburg einzufordern. Doch die historische Schuld darf in der heutigen schnelllebigen Zeit keine Rolle mehr spielen, wenn die Verfügbarkeit von Arbeitsunterlagen in der eigenen Muttersprache Wettbewerbsvorteile verschafft oder hohe Geldsummen davon abhängen, wie schnell auf politische Entwicklungen reagiert werden kann. Doch ein wenig verbessert hat sich die Situation immerhin.

 

So ist seit einigen Jahren geregelt, dass sich jeder Unionsbürger schriftlich in einer der 23 Amtssprachen an jedes Organ und jede Einrichtung der EU wenden kann und eine Antwort in seiner Sprache erhalten muss. Vorbildlich wird die Sprachenvielfalt auch im Europäischen Parlament gehandhabt. Hier werden Übersetzungen je nach Bedarf seiner Mitglieder in verschiedenen Sprachen bereitgestellt. In der Europäischen Kommission und auch dem Rat werden hingegen viele Arbeitsunterlagen nur noch auf Englisch vorbereitet. In extremen Fällen führt dies zu Wettbewerbsverzerrungen, weshalb die deutschsprachigen Europaabgeordneten bereits mehrfach sowohl Rat als auch Kommission ermahnen mussten, Deutsch auch tatsächlich als Arbeitssprache zu verwenden.

 

Die CSU-Europagruppe setzt sich außerdem dafür ein, dass alle Internetseiten der europäischen Institutionen auf Deutsch abrufbar sind – insbesondere Formulare und Anträge zur Gewährung von Fördermitteln durch die EU. Keinem deutschen Unternehmen sollten aufgrund von Sprachbarrieren Wettbewerbsnachteile widerfahren. Auch um die Beteiligung der Menschen an den Entscheidungen der EU zu verbessern, muss der Gebrauch der deutschen Sprache gestärkt werden. Die schnellere Übersetzung aller EU-Dokumente ins Deutsche wäre ein großer Beitrag zu mehr Bürgernähe.

 

 

 

Haben Sie zu diesem Thema Fragen oder Anregungen? Dann schreiben Sie mir bitte!

Mehr Informationen zu diesem Themenkomplex finden Sie auf den folgenden Seiten im Internet:

 

Mehrsprachigkeit beim Europäischen Parlament:

 

http://www.europarl.europa.eu/parliament/public/staticDisplay.do?id=155&language=DE

 

Webseite der Europäischen Kommission zur Mehrsprachigkeit in Europa:

 

http://ec.europa.eu/education/languages/index_de.htm

 

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Dr. Angelika Niebler, MdEP

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