April 2009/1

 

EU stoppt Tierversuche für Kosmetika - ebenfalls Schluss mit irreführender Werbung

 

Für den Tierschutz stellt das Jahr 2009 einen Erfolg dar: Seit Mitte März dürfen in Europa keine kosmetischen Inhaltsstoffe mehr zugelassen werden, die in Tierversuchen getestet wurden. Auch alle Hygieneartikel aus dem nichteuropäischen Ausland, für deren Prüfung Tests mit Tieren durchgeführt wurden, dürfen nicht mehr vermarktet werden. Diese Verbote gehen zurück auf die Neuerung der EU-Kosmetikrichtlinie von 1976, auf die sich das Europäische Parlament und der Rat im März 2003 einigten.

 

Die Neuerung wirkt zunächst einmal bescheiden. Immerhin dürfen kosmetische Fertigprodukte - im Gegensatz zu Arzneimitteln - schon seit September 2004 nicht mehr an Tieren getestet werden. In Deutschland verzichten die Hersteller nach Angaben des Industrieverbands Körperpflege und Waschmittel (IKW) schon seit 1989 auf Tierversuche für fertige Kosmetika. Doch nicht unterschätzt werden darf das, was die Richtlinie ökonomisch in Gang gesetzt hat.

 

Das seit diesem Jahr geltende Tierversuchsverbot für kosmetische Inhaltsstoffe hat die europäischen Hersteller in den vergangenen Jahren dazu veranlasst, sich besonders intensiv um alternative Testmethoden zu bemühen. So können Hautreizungen, Hautdurchdringung und die Auswirkung von Licht auf die Giftigkeit kosmetischer Inhaltsstoffe mit Hilfe von Zellkulturen schon jetzt zum Teil zuverlässiger getestet werden als durch Tierversuche. Jahrelang hatten Interessengruppen wie der Deutsche Tierschutzbund um gesetzliche Vorgaben gerungen. Zunehmend setzt sich nun auch in der Industrie die Sichtweise durch, dass die alternativen Verfahren Kosten senken können, weil zwar die Erforschung teuer ist, die einzelnen Tests aber häufig günstiger sind als Tierversuche. In Fällen, in denen es besonders schwierig ist, Ersatzmethoden zu entwickeln, gilt das Verbot ab 2013.

 

Auch die europäischen Institutionen haben die Änderung der Kosmetikrichtlinie zum Anlass genommen, ihre Aktivitäten auszuweiten. Ende 2005 starteten die EU-Kommissare Günter Verheugen und Janez Potocnik ihre Initiative "European Partnership on Alternative Approaches to Animal Testing". In dieser Plattform, an der sich Verbände und Unternehmen aus sieben EU-Mitgliedstaaten - darunter auch Deutschland - beteiligen, organisiert die Kommission den Wissensaustausch und identifiziert mit den Beteiligten wichtige Forschungsfelder. Wurden bereits in früheren Forschungsrahmenprogrammen Millionenbeträge genehmigt, um Alternativmethoden zu erforschen, bewilligte die Europäische Union nun abermals 25 Millionen Euro Fördergelder für die kommenden fünf Jahre. Die Industrie wird noch einmal denselben Betrag zur Verfügung stellen.

 

Zeitgleich mit dem Inkrafttreten des Verbots für Tierversuche bei kosmetischen Inhaltsstoffen wird die Richtlinie momentan in eine Verordnung umgewandelt. Das Hauptziel dieser Maßnahme besteht darin, die Sicherheit von kosmetischen Mitteln für die Verbraucher zu erhöhen. So soll Werbung für Kosmetikprodukte künftig allein nach objektiven Kriterien erfolgen. Demnach müssen in Zukunft alle Inhaltsstoffe und deren beabsichtigte Wirkung angegeben werden. Insbesondere Kleinstinhaltsstoffe, die so genannten Nanomaterialien, sollen dabei einer genauen Überprüfung unterzogen werden. Aufgrund ihrer winzigen Größe besitzen Nanomaterialien besondere Eigenschaften, die noch nicht vollständig erforscht sind. Bereits heute sind sie allerdings Bestandteil vieler auf dem Markt befindlicher Erzeugnisse, die Europäische Kommission schätzte ihren Anteil auf etwa 5 Prozent aller im Jahr 2006 auf dem europäischen Markt befindlichen kosmetischen Produkte.

 

Innerhalb von zwei Jahren muss nun die Europäische Kommission konkrete Bedingungen für Behauptungen formulieren, die im Zusammenhang mit kosmetischen Mitteln verwendet werden dürfen. Behauptungen wie "Reduziert die Faltentiefe schon nach einer Woche" können dann nicht einfach aufgestellt werden, sondern sie müssen halten, was sie versprechen. Unverändert in der Kosmetik-Verordnung bleibt das Verbot von Stoffen bestehen, die als krebserzeugend, erbgutverändernd oder fortpflanzungsgefährdend eingestuft werden.

 

 

 

Haben Sie zu diesem Thema Fragen oder Anregungen? Dann schreiben Sie mir bitte!

Mehr Informationen zu diesem Themenkomplex finden Sie auf den folgenden Seiten im Internet:

 

Link zur EU-Kosmetikrichtlinie von 2003:

 

http://ec.europa.eu/enterprise/cosmetics/doc/200315/200315_de.pdf

 

Link zum Bericht des Europäischen Parlaments zur Änderung der Kosmetikrichtlinie :

 

http://www.europarl.europa.eu/sides/getDoc.do?pubRef=-//EP//TEXT+REPORT+A6-2008-0484+0+DOC+XML+V0//DE

 

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