Das Europäische Parlament hat der Umsetzung des Handelsabkommens der EU mit den USA zugestimmt. Industriezölle auf US-Produkte werden abgeschafft. Die Zölle für die meisten EU-Exporte in die USA werden künftig bei 15 Prozent liegen. Dieser Zollsatz ist zwar deutlich niedriger als noch vor kurzem von Präsident Donald Trump angedroht, gleichzeitig aber höher als bislang.
Auch wenn das Abkommen nicht perfekt ist, schafft es gerade in wirtschaftlich unsicheren Zeiten Planungssicherheit für Unternehmen und Beschäftigte. Ganz besonders für exportorientierte Unternehmen, die auf berechenbare Handelsbeziehungen angewiesen sind.
Bayern hält eine wirtschaftliche Beziehung zu den USA. Etwa 1,4 Millionen Jobs im Freistaat hängen direkt oder indirekt von der Exportwirtschaft ab. Fast jeder fünfte in Bayern erwirtschaftete Euro wird hier verdient. Dabei gehören die USA zu den wichtigsten Handelspartnern.
Im Jahr 2024 exportierten bayerische Unternehmen Güter im Wert von 28,9 Milliarden Euro in die USA. Dies entspricht 12,8 Prozent der gesamten bayerischen Ausfuhren. Gerät der transatlantische Handel ins Stocken, spüren wir das in Bayern sofort: Bei den Automobilwerken und ihren Zulieferern, beim Maschinenbau oder beim Mittelstand in jeder Region des Freistaats. So hängen zum Beispiel in der Autobau-Region Ingolstadt 20.500 Jobs vom Auf und Ab des Weltmarktes ab. Ähnliches gilt für die Regionen Dingolfing mit dem BMW-Werk, die Maschinen-Hochburg Schweinfurt und das Chemie-Dreieck rund um Burghausen.
Das Abkommen verhindert einen Handelskrieg, der Bayern härter getroffen hätte als die meisten anderen Regionen Europas. Es hilft aber auch der anderen Seite des Atlantiks. Denn bayerische Unternehmen sichern in den USA über 700.000 Arbeitsplätze und tragen somit mit mehr als 130 Milliarden Euro zur amerikanischen Bruttowertschöpfung bei. Wer also in Washington künftig über Zölle gegen Europa nachdenkt, sollte wissen, dass er damit auch Hunderttausende amerikanische Familien trifft.
Europa zeigt mit dem Zolldeal: Wir handeln, wir schaffen Lösungen und wir stärken unsere transatlantischen Wirtschaftsbeziehungen. Dank des EU-Parlaments gelang es auch, Schutzklauseln in das Abkommen einzubauen. So kann die EU-Kommission Zollsenkungen aussetzen, wenn die USA ihren Verpflichtungen des Deals nicht nachkommen. Ferner beinhaltet es Lösungen für Stahl-, Aluminium-, Kupfer- und entsprechende Folgeprodukte. Damit können Europas wirtschaftliche und strategische Interessen geschützt werden.
Für uns in Europa muss allerdings auch gelten: Wir brauchen verlässliche Partner in der Welt. Es ist wichtig, auch mit weiteren Ländern, wie Thailand, Indien oder Australien, neue Freihandelsabkommen abzuschließen und auf langfristige strategische Partnerschaften hinzuwirken.