An den internationalen Energiemärkten ist gerade der Teufel los. Jede Bürgerin und jeder Bürger merkt das an der Zapfsäule bei Preisen jenseits der 2 Euro pro Liter Diesel. Nach den Bombardierungen im Nahen Osten und der Schließung der Straße von Hormus, durch die rund ein Fünftel des weltweiten Öl- und Gasbedarfs aus den Anrainerstaaten des Persischen Golfs verschifft wird, schießen die Preise für fossile Energieträger durch die Decke. Die Folgen erleben wir nicht nur an der Tankstelle, sondern auch bei den Heizölpreisen.
Europa ist weder ein Öl- noch ein Gasproduzent. Wir sind vollständig auf Importe angewiesen, das macht uns verwundbar. In Deutschland sind wir nach dem Abschalten der Kernkraftwerke und dem Ende des Kohlebergbaus abhängiger denn je. 75 Prozent des deutschen Energieverbrauchs stammen aus fossilen Brennstoffen. Erschwinglicher Strom ist aber nicht nur für die Lebenshaltungskosten wichtig, sondern auch für die Wettbewerbsfähigkeit unserer Industrie und das Fundament für die Produktivität der Zukunft wie KI und Robotik.
Unter diesen Vorzeichen ist das neue Energiepaket der EU von enormer Bedeutung. Es soll den Ausbau erneuerbarer Energien beschleunigen und so langfristig die Energiepreise senken. Dazu braucht Europa einen grundlegenden Wandel in seinem Energiesystem und seiner Infrastruktur. Um diese Transformation zu stemmen, bedarf es Investitionen in bislang noch nicht bekannter Größe. Deshalb muss dringend privates Kapital mobilisiert werden. Investoren steigen aber nur ein, wenn die Rahmenbedingungen und das Risiko für sie stimmen. Die EU will sich nun um schnellere Genehmigungsverfahren, Wettbewerbsfähigkeit, Infrastruktur und Innovationen kümmern.
Parallel wollen wir die Bürger dabei unterstützen, ihre eigene saubere Energie zu erzeugen und zu teilen, um so bei den Heiz- und Stromkosten zu entlasten. Die Verbraucher können von transparenteren Informationen zu ihren Energieverträgen, schnelleren Anbieterwechseln sowie niedrigeren Steuern und Abgaben auf ihre Stromrechnungen profitieren.
Dabei müssen wir technologieoffen bleiben. So entwickelt die EU nun auch eine Strategie für kleine modulare Reaktoren, etwa für industrielle Anwendungen und als Ergänzung zu erneuerbaren Energien. Das kann ein weiterer Baustein für ein stabiles und klimafreundliches Energiesystem sein. Aber das ist Langstrecke, kein Sprint. Trotzdem ist dieser Kurs enorm wichtig für Europas Energiepolitik. Mit mehr Innovation, leistungsfähigen Netzen, technologieoffenen Lösungen und vor allem besseren Bedingungen für Investitionen schaffen wir insgesamt die richtigen Bedingungen, damit sich Europas Bürger Energie auch in Zukunft noch leisten können.