Die Blockade der Straße von Hormus hat eine der größten Energiekrisen ausgelöst, mit der die Welt jemals konfrontiert wurde. Die Sperrung der Meerenge hat auch erhebliche Auswirkungen auf den Luftverkehr – sowohl bei Passagier-, als auch bei Cargo-Flügen.
Die Internationale Energieagentur prognostizierte vor kurzem, dass die Vorräte an Kerosin, also Flugbenzin, in Europa nur noch wenige Wochen reichen. Ohne Nachschub müssten wegen Treibstoffmangels Flüge annulliert werden. Rund 30 Prozent des EU-Kerosinverbrauchs werden importiert und etwa die Hälfte dieser Importe kommt eigentlich durch die Straße von Hormus.
Eine Aussage, die für Unruhe und Verunsicherung gesorgt hat. Die bevorstehende Sommerreisesaison sowie die gesamte Tourismusbranche könnten erheblich beeinträchtigt werden. Branchenexperten rechnen unter anderem mit deutlich teureren Flugtickets und weniger Angebot. Einige Airlines kassieren wegen gesperrter Lufträume schon Treibstoffzuschläge oder streichen weniger ausgelastete Strecken. Die Lufthansa hat mit dem Hinweis auf die gestiegenen Kerosinpreise sogar ihre Regionaltochter CityLine stillgelegt.
Der EU-Kommission liegen derzeit jedoch keine gesicherten Hinweise auf einen derartigen Treibstoffmangel vor. Rund 70 Prozent des benötigten Kerosins wird in der EU selbst produziert, ein signifikanter Anteil davon sogar in Deutschland. Das für die Herstellung benötigte Rohöl stammt dabei nur zu einem kleinen Teil aus dem Nahen Osten.
Trotzdem können Versorgungsengpässe in der nahen Zukunft nicht ausgeschlossen werden. Seit Mai werden daher Angebot und Lagerbestände relevanter Transportkraftstoffe in der EU genau kartiert. Zudem stimmt sich die EU-Kommission gerade mit Mitgliedsstaaten, Kraftstoffanbietern und dem Luftfahrtsektor über alternative Kerosinquellen ab. So arbeitet zum Beispiel eine Firma aus Bernau am Chiemsee bereits an der Herstellung von Kerosin aus Biogas. Auch das deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Oberpfaffenhofen bei München erforscht seit Jahren die Herstellung von klimaneutralem Flugzeugsprit.
Seit Mai gelten außerdem Regeln für den Fall von Kerosin-Engpässen. Preissteigerungen bei Kerosin an den Flughafentankstellen ohne tatsächlich bestätigte Knappheit gelten ausdrücklich als unberechtigt. Die Airlines müssen weiterhin 90 Prozent ihres Treibstoffbedarfs am Abflughafen auffüllen, es gibt keine Ausnahme nur wegen hoher Preise. Temporär darf an europäischen Flughäfen auch eine andere Treibstoff-Qualität getankt werden. Flüge dürfen nur bei nachgewiesenem lokalen Kerosin-Engpass gestrichen werden. Bei Flugausfall wegen zu hoher Kerosinpreise haben die Passagiere Anspruch auf Entschädigung.
Die Lage bleibt angespannt, aber Panik ist in Europa nicht angesagt. Wie es weitergeht, hängt entscheidend von der Situation im Nahen Osten ab. Sicher ist jedoch, dass der Krieg der USA gegen den Iran die ganze Welt teuer zu stehen kommt. Für uns muss gelten: Wir müssen die EU unabhängiger machen, egal ob mit Blick auf Rohstoffe, Energie, Technologie, Dünger und Lebensmittel.